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Heiße Fracht, heißer Protest

Atommülltransport mit neuartigem Castor

Beim nächsten Castortransport nach Gorleben im Herbst kommen erstmals neuartige Behälter zum Einsatz. Diese beinhalten noch heißeren und stärker strahlenden Müll als die in der Vergangenheit genutzten Castoren.

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) erteilte kürzlich eine Änderungsgenehmigung für die Aufbewahrung der neuen Behälter vom Typ Castor HAW 28 M im Gorlebener Zwischenlager. HAW steht für »High Active Waste« (hoch aktiver Müll), die Ziffer 28 gibt die Zahl der in den Containern befindlichen Glaskokillen an. Diese Metallzylinder enthalten in flüssiges Glas eingeschmolzenen Atommüll.

Die Entwicklung der neuen Container war nötig geworden, weil der aus der französischen Wiederaufbereitungsanlage La Hague nach Deutschland zu transportierende Atommüll heißer ist und stärker strahlt als die bisher angelieferten Abfälle. Gründe sind ein stärkerer Abbrand der Brennstäbe sowie der Umstand, dass die Kokillen erst vor Kurzem produziert wurden und deswegen »heißer« sind als die schon eine Weile in La Hague gelagerten, etwas abgekühlten Kokillen.

Weil es erhebliche Verzögerungen bei der Zulassung des neuen Castors gab, fiel im vergangenen Jahr der Transport aus. Im September wurde in Gorleben aber die Kalthantierung geprobt. Atomgegner begleiteten den An- und Abtransport des leeren Behälters mit Blockaden und Protesten.

Das BfS genehmigte den neuen Castor – anders als sein Vorgänger ein deutsches Fabrikat – bei voller Beladung mit 28 Kokillen für eine Wärmeleistung von bis zu 56 Kilowatt (bisher: 45 Kilowatt). Die Prüfungen hätten ergeben, dass »durch angepasste Abschirmung und verändertes Design« auch bei höherem radioaktiven Inventar die gleichen Strahlenwerte eingehalten würden wie bei den bisher eingesetzten Castoren. Das BfS, so ein Sprecher, habe im Genehmigungsverfahren auch die Auswirkungen eines gezielten Flugzeugangriffs mit einer großen Passagiermaschine auf das Transportbehälterlager Gorleben untersucht.

Aus Sicht der Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg ist das alles viel zu vage. Sie fordert die Offenlegung der Sicherheitsprüfungen für den neuen Behältertyp und hinterfragt Tests zur mechanischen Belastung sowie Feuertests. Nach Informationen der Atomkraftgegner wurde – wie bei früheren Castoren – beim Falltest kein Originalbehälter verwendet, sondern ein kleineres Modell. Doch: Je kleiner und dadurch kompakter ein Behälter, desto wahrscheinlicher sei ein besseres Abschneiden beim Falltest als mit dem 115 Tonnen schweren Originalkoloss.

Nunmehr warnt eine deutsch-US-amerikanische Forschungsgruppe davor, dass das Boratglas, das den hochradioaktiven Müll einschließt, bei Wasserkontakt bersten könnte. »Die Gefahr ist da«, sagte der Geowissenschaftler Wulf Depmeier von der Universität Kiel dem »Spiegel«.

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