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Sozialismus für Europa?

Professor Heinz Dieterich über notwendige Alternativen zum Kapitalismus / Dieterich lehrt seit 1977 als Professor an der staatlichen Universität Autonóma Metropolitana in Mexiko-Stadt

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Fragwürdig: Sozialismus für Europa?

ND: Am Freitag stellen drei internationale Forschungsgemeinschaften im ND-Gebäude (20 Uhr, Münzenbergsaal) ihr ökonomisches Übergangsprogramm zum Sozialismus des 21. Jahrhunderts für Europa vor. Was ist die Intention?
Dieterich: Der Grundgedanke ist, dass eine so komplexe Zivilisation wie der Weltkapitalismus nur ersetzt werden kann, wenn die Weltressourcen wissenschaftlicher und moralischer Art zusammengebracht werden. Und die Tatsache, dass drei große internationale Forschungsgemeinschaften aus Europa, Asien und Lateinamerika ihre Beiträge geleistet haben, zeigt, dass ein allgemeines Interesse besteht – von Asien über Lateinamerika bis zu Europa – neue Wege zu gehen, um eine neue Zivilisation aufzubauen.

Wie lassen sich die Grundpfeiler dieses Weges skizzieren?
Die Grundpfeiler sind auf der einen Seite die vorhandenen wissenschaftlichen Kenntnisse. Denn wenn wir Veränderungen vornehmen wollen, müssen wir rational vorgehen und die Konsequenzen der Veränderung voraussehen. Zweitens müssen wir die Grenzen der Erde bedenken, Rohstoffe sind beispielsweise nur begrenzt verfügbar. Und drittens müssen wir davon ausgehen, dass jeder Bürger und jede Bürgerin der Weltgesellschaft das gleiche Anrecht auf einen bestimmten materiellen Lebensstandard hat. Damit ist die grundlegende Gleichung für die Struktur einer neuen Gesellschaft vorgegeben. Die Lösung läge in einer Aufteilung der Weltrohstoffressourcen auf die Weltbevölkerung, so dass jeder einen bestimmten Anteil an Kalorien, an Sauerstoff, an Wasser usw. verbrauchen kann. Und danach müsste man mit wissenschaftlichen Prinzipien die Gesellschaft auf Weltebene solidarisch organisieren.

Ist die Absicht der Konferenz, das Anliegen in die Diskussion zu bringen?
Ja, aber nicht zum hundertsten Mal zu wiederholen, wir brauchen eine Alternative, sondern zu sagen, hier ist eine Alternative. Und wir bitten alle an einer neuen Gesellschaft Interessierten, darüber zu diskutieren, um zu sehen, wo Schwächen und Stärken in dem Vorschlag liegen, um dann gemeinsam daran weiterzuarbeiten. Das ist der Hauptgedanke.

Eine Diskussionsvorlage und kein Manifest?
Ja. Wir haben es bewusst nicht Manifest genannt. Beim Übergangsprogramm handelt es sich nicht um ein klassenspezifisches, in einer revolutionären europäischen Situation formuliertes Manifest wie das Kommunistische Manifest 1848, sondern dies ist ein Programm, das davon ausgeht, dass die Mehrheit der Weltbevölkerung nur in einer neuen Ökonomie und in einer neuen Gesellschaft überleben kann. Und daher hat es strukturelle Unterschiede zu dem, was Karl Marx und Friedrich Engels damals geschrieben haben.

Für einen Übergang zu einem anderen System bedarf es einer kritischen politischen Masse, wenn nicht gar parlamentarischer oder gesellschaftlicher Mehrheiten. Sind die in Ansätzen sichtbar?
In der ersten Welt ist die Mehrheit der Bevölkerung im Grunde nur zu mobilisieren zur Verteidigung oder Erhöhung ihres Lebensstandards und zum Erwerben neuer demokratischer Rechte. Wenn es wahr ist, dass nur Mehrheiten Geschichte verändern können, dann muss man die Mehrheiten überzeugen – innerhalb ihrer Lebensverhältnisse. Wir müssen die Mehrheiten davon überzeugen, dass eine bessere Gesellschaft konstruiert werden kann, heutzutage schon, und sie dafür gewinnen. Die Konferenz soll dazu beitragen.

Fragen: Martin Ling

Programm siehe: www.puk.de

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