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Die Berlinale-Presse auf der Jagd im Iran

  • Von Charlotte Noblet
  • Lesedauer: 3 Min.

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Gestern bin ich wieder bei der sogenannten ersten Berlinale-Liga eingestiegen: Wettbewerb. Bei der Pressevorführung sitzen die besten Journalisten und schauen sich die besten Filme an. So lautet wenigstens der Mythos in der kleinen Welt der Akkreditierten.
"Shekarchi / The Hunter"

Der Kinosaal war voll für die offene Ballade im Iran. Nach einem ästhetischen Close-up von einem Bild der Revolution begleitet die Kamera den Hauptdarsteller – und Regisseur – Rafi Pitts durch mehrere Tunnel seines Lebens. Mal arbeitet er als Nachwächter in einer Autofirma, mal ist er als mysteriöser Jäger unterwegs, mal bei ihm zu Hause als Mann und Vater. Lange Aufnahmen, kaum Gespräche. Dafür aber heftige Informationen: Der Mann war früher im Gefängnis; im Laufe des Films sterben seine Frau und seine Tochter bei einer Demonstration; danach erschießt er einen Polizist.

Warum das alles?

Keine Antwort wird serviert, die Intrige lässt reichlich Zeit, sich diese Frage immer wieder zu stellen. Nach einem Autorennen verlieren sich Polizisten und erwischter Jäger in den großen Wäldern des Irans. Es regnet und die Kräfte der zwei Polizisten und ihres Gefangenen sind am Ende. Jeder spielt seine Rolle. So lange wie möglich. Aber warum?

Ende des Films. Fragen einpacken oder wegschmeißen.

Zweite Halbzeit: die Pressekonferenz als interkultureller Dialog

Dort waren diesmal erstaunlich wenige Presse-Vertreter. Dafür hatten sie viele Fragen: Wie schwer war es, eine Drehgenehmigung im Iran zu bekommen? Spielen Sie auf die gewalttätigen Demonstrationen bei den Wahlen an? Was bedeutet die Brutalität im Film? Wie sollen wir das Ende mit den Polizisten und dem Jäger verstehen?

Sehr ehrlich und ausführlich ist Rafi Pitts darauf eingegangen, ohne allerdings irgendeine Antwort zu liefern. Damit hoffe er auf ein besseres Verständnis des Irans und zwischen den Iranern und wehrt sich gegen eine Vereinfachung des Films.

„Die Drehgenehmigung haben wir vor den Wahlen bekommen. Wir haben zufällig während der Wahlen gedreht, das hören Sie am Autoradio, aber es war noch vor den gewalttätigen Demonstrationen. (…) Ich war kein Hellseher, als Filmemacher sollte man aber schon ein bisschen Zeitgeist erfassen.“Ihm scheint es vor allem wichtig zu sein, dass man sich Fragen stellt und keine Antwort geliefert bekommt, ob es um den Film geht oder um die Ereignisse im Iran. „Ich komme aus einem Land, wo 70% der Leute jung sind, wo aber 30% der Leute den Krieg erlebt haben. Ich kann nur denen Fragen stellen, damit wir miteinander reden.“ Womit er sich schon einverstanden zeigt: „Die Regierung hat nicht versucht, die jungen Leute zu verstehen. Aber Hass hat auch nie was gelöst. Irgendwann müssen die Leute im Iran miteinander reden, reden, reden. Das Land muss sich ändern, statt alles zu unterdrücken.“

Die Debatte geht weiter, viele Journalisten wollen aber wenigstens wissen, was das Ende des Films bedeutet . Bis zum Ende leistet Rafi Pitts Widerstand: „Ich mag am liebsten ‚…’ als eine klare Antwort für das Ende.“ Und sagt nur dazu: „Es ist gefährlich in einer Gesellschaft zu leben, wo man durch Uniform definiert wird.“

Pressekonferenz zu Ende. Die Fragen doch wegschmeißen, sich Antworten schaffen, oder versuchen zu verstehen. Das Gespräch mit den Filmemachern sollte Pflicht sein. Die Ehrlichkeit des Gesprächs ist doch überzeugend: Iraner sind auf der Jagd nach Selbstdefinierung.

Sektion Wettbewerb "Shekarchi - The Hunter - Zeit des Zorns": Programm

Mehr Infos über den Film: Katalog

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