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Mehr Armut in Lateinamerika

Weltbank empfiehlt mehr regionalen Handel als Ausweg aus der Krise

  • Von Benjamin Beutler
  • Lesedauer: 2 Min.

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Auch Lateinamerika hat die Weltwirtschaftskrise heftig zu spüren bekommen. Grund ist die hohe Abhängigkeit von Exporten in die Industreiländer.

Mehr als 14 Millionen Lateinamerikaner sind jüngsten Schätzungen der Weltbank zufolge im Jahr 2009 zurück in Armut gefallen. »Mit Freude konnten wir in den letzten acht Jahren beobachten, wie die Armut verringert werden konnte – die Krise hat dies beendet«, erklärte der Weltbankdirektor für Bolivien, Peru und Venezuela, Felipe Jaramillo, gegenüber der bolivianischen Tageszeitung »La Razón«. In der Armutsbekämpfung sei der Kontinent damit um zwei Jahre zurückgeworfen worden, womit die Weltbank ihre eigenen Prognosen nach oben korrigieren musste. Noch Ende 2009 ging die UN-Sonderorganisation von neun Millionen mehr Armen aus. Damit leben in Lateinamerika 194 Millionen (35 Prozent der Bevölkerung) unter der Armutsgrenze, in extremer Armut über 76 Millionen. Die Weltbank gehe davon aus, dass in Lateinamerika mit seinen 569 Millionen Menschen heute jeder Vierte mit weniger als zwei US-Dollar auskommen muss.

Als Armutsverursacher Nummer eins macht Jaramillo die gestiegene Arbeitslosigkeit aus. Wegen des weltwirtschaftlichen Wachstumsstopps konnten weniger neue Arbeitsplätze geschaffen werden, viele bestehende seien gestrichen worden. Wegen ihrer traditionellen Abhängigkeit vom krisengeschüttelten US-Markt trafen die Auswirkungen des globalen Wirtschaftsabschwungs Mexiko, Mittelamerika und die Karibikinseln besonders hart. Als erstaunlich resistent hingegen habe sich Südamerika erwiesen. »Große Anti-Krisen-Pläne« der Regierungen hätten in Brasilien, Bolivien, Peru, Kolumbien und Chile die ganz große Katastrophe verhindern können, lobte Jaramillo direkte Leistungstransfers an die Ärmsten der Armen. So zahlt Boliviens Linksregierung seit 2009 jungen Müttern ein Muttergeld, garantiert allen Rentnern eine Mindestrente und hob das Höchstalter für eine kostenfreie staatliche Krankenversorgung auf 25 Jahre an. »Den ärmsten Familien wird damit geholfen, dass sie nicht ohne Geld für Nahrung bleiben«, hob der Weltbank-Funktionär die extremer Armut vorbeugende Bedeutung von staatlicher Initiative hervor. Die gesunkene Exportnachfrage in den USA, Europa und Asien wurde auch durch staatliche Investitionen in Straßenbau und Infrastruktur abgefedert.

Als Weg aus der Stagnation schlägt der Weltbankökonom altbekannte Rezepte vor: weitere Diversifizierung der Wirtschaft, weniger Rohstoffexporte wie Soja in Brasilien, Fleisch in Argentinien sowie Bodenschätze in Bolivien, Peru, Chile und Ecuador, mehr innerkontinentaler Handel. Bündnisse wie Mercosur, die Andengemeinschaft CAN und die Bolivarianische Allianz ALBA seien vielversprechend, da sie über die Schaffung neuer regionaler Märkte Handel und Wachstum förderten.

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