• Debatte
  • Thema: Gewerkschaftsstrategien in Krisenzeiten

Ein Ausdruck der Defensive

Nach den Abschlüssen in der Metallindustrie und im öffentlichen Dienst ist ein Strategiewechsel der Gewerkschaften notwendig

  • Von Joachim Bischoff
  • Lesedauer: ca. 6.5 Min.

Die Tarifabschlüsse liegen nun auf dem Tisch. Nach dem Schlichterspruch am Donnerstag soll es im öffentlichen Dienst eine Lohnerhöhung von insgesamt 2,3 Prozent geben. In der Metallindustrie haben Arbeitgeber und IG Metall in Nordrhein-Westfalen einen Tarifpakt geschlossen. Der Abschluss hat Pilotcharakter für die gesamte Metallbranche in der Bundesrepublik.

Der Tarifabschluss in der Metall- und Elektroindustrie kam auf außergewöhnliche Weise zustande: Erstmals war die IG Metall ohne konkrete Lohnforderung in Tarifverhandlungen gegangen, hatte das Auslaufen der alten Verträge erst gar nicht abgewartet, sondern bereits im Dezember erste »Sondierungsgespräche« mit den Arbeitgebern aufgenommen. Hintergrund: Die Branche steckt in der »schwersten Wirtschaftskrise seit 80 Jahren«. Die Gewerkschaft räumt der Sicherung der Arbeitsplätze in der krisengeschüttelten Branche oberste Priorität ein.

Für die Branche mit ihren 3,4 Millionen Beschäftigten wurde ein Beschäftigungspakt vereinbart. Damit sollen zum einen die Kosten der Kurzarbeit sinken. Das könnte Vorbild für die gesamte Wirtschaft werden, weil die Förderbedingungen der Bundesagentur für Arbeit geändert werden müssen. Nach zwölf Monaten regulärer Kurzarbeit werden die sogenannten Remanenzkosten (wie Urlaubsgeld und andere Jahressonderzahlung...


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