Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Vom Adel

Für Klaus Piontek

  • Von Hans-Dieter Schütt
  • Lesedauer: 2 Min.

Der Anfang in Berlin, Deutsches Theater. Erste Rolle. Unten sitzt Eduard von Winterstein, fragt laut seine Frau: »Wer ist denn das?« Schlichte Erkundigung ob eines neuen Gesichts. Aber der junge Klaus Piontek fühlt sich schon kritisiert, wo er doch noch gar nichts gesagt hatte. Wird zornig, spielt hart und kalt – später wird ihm Höchstform bescheinigt. Wie viele Welten doch zwischen Ursache und Wirkung liegen; in jeder Logik, die wir hinterher beschwören, feixt der Zufall.

Klaus Piontek (Foto: Archiv) gelang die sinnfällige Einheit: Zwei, die sich hatten – Kopf und Seele. Im schwebenden Spiel wie im trittfesten Leben. Er war sechsunddreißig Jahre am Deutschen Theater Berlin. Spielte bei Besson, Dresen, wurde ein Wesentlicher in Inszenierungen von Thomas Langhoff. Führte selber Regie, etwa im unvergesslichen »Jahrmarktsfest zu Plundersweilern« von Hacks. War zuletzt der Atzbacher in Friedo Solters »Alte Meister« von Thomas Bernhard. Da kämpfte er schon gegen den Krebs – mit der Noblesse des Einsichtigen, der auch in den übermächtig werdenden Müdigkeiten nicht ablässt von dem, was noch in seinen Kräften steht. Er trug an seinem Ende – er starb 1998 – in Würde und Trauer eine Vergangenheit in sich, die ihm große Möglichkeit geworden war. Ein Sozialist britischen Zuschnitts. Der linke Lord. Spieler aus Wahrhaftigkeit, aufputzlosem Witz, reiner Sprache, einem ironisch gezügelten Pathos.

Dieser Schauspieler besaß keinen großen Verwandlungstrieb, hatte ein sehr unturnerisches, unkostümiertes Verhältnis zum Komödiantentum. Alle Form erwuchs ihm aus dem Standesgemäßen: Der Interpret steht unter der Erhabenheit von Dichtung. Raffiniert: Dienend steigerte er sich in den Adel des Berufs, knechtend wurde er König. War Piontek je König? Er war weit hinterlistiger, sagte: »Lieber Erster in Verona als Zweiter in Rom.« Er mied die Rampe, aber strahlte weit.

Am Sonntag wäre Klaus Piontek fünfundsiebzig geworden.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln