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Wettjubeln an der Freestyleschanze

Alexej Grischin gewinnt Kunstspringen

  • Von Oliver Händler, Vancouver
  • Lesedauer: 3 Min.

70 Meter Anlauf den Berg hinab, mit 70 Stundenkilometern eine vier Meter hohe Schanze wieder hinauf und bis zu acht Drehungen um mehrere Körperachsen in 15 Metern Höhe – das ist Kunstspringen der Ski-Freestyler. Und der Beste von ihnen kommt aus Belarus: Anton Kuschnir. Doch als der große Favorit seine Landsleute zu Hause durch einen Sturz und das Aus schon in der Qualifikation in tiefe Trauer gestürzt hatte, sprang sein Kollege Alexej Grischin im wahrsten Sinne des Wortes ein. In einem spannenden und hochklassigen Wettkampf im Nachthimmel am Cypress Mountain folgten der US-Amerikaner Jeret Peterson und Liu Zhongqing aus China auf den Plätzen.

Nachdem die Gastgeber in Cypress bereits drei Goldmedaillen sammeln konnten, war die Hoffnung auf Nummer vier nach dem ersten Finalsprung unter den fast 9000 Zuschauern groß. Der Kanadier Kyle Nissen führte mit sechs Punkten Vorsprung, doch im Kunstspringen entscheiden Kleinigkeiten. Leicht gebeugte Knie im letzten Salto und zu hohe Skispitzen bei der Landung: Prompt fiel Nissen auf Rang fünf zurück. »Kunstspringen ist ein Bewertungssport, und das sind nun mal die Noten, die ich bekommen habe«, sagte der enttäuschte Nissen.

Auch die Freestyler sind durch die Preisrichter nicht immun gegen wahre oder nur empfundene Fehlurteile. Die Offiziellen aus Belarus schüttelten mehrfach die Köpfe bei hohen Wertungen für die Kanadier und US-Amerikaner. Diese bekamen trotz gekrümmter Arme oder nicht geschlossener Beine von ihren jeweiligen Landsleuten im Schiedsgericht fast durchgängig die höchsten Noten. Alexej Grischin setzte sich trotzdem durch, auch dank Juror Nummer fünf. Oleg Kitow kommt aus Russland und gab dem Nachbarn seinerseits gute Noten. So glich sich alles wieder aus.

Das Kunstspringen ist in Belarus sehr populär und bringt immer wieder große Talente hervor. »Wir trainieren, springen viel und sind sehr akrobatisch. Wir haben tolle Trainer, tolle Athleten und eine tolle Atmosphäre im Team. Das ist der Schlüssel zum Erfolg«, sagte Grischin, neben dem noch zwei weitere Landsleute im Finale der besten zwölf Springer standen.

Für Außenstehende ist der Sport kaum zu durchschauen. Die Sprünge heißen Full-DoubleFull-Full oder Half-(Layout)-Randy-Full – Namen, die die Anzahl der Rückwärtsdrehungen und gleichzeitig ausgeführten Schrauben nur wenig durchsichtig beschreiben. Das ungeübte Auge kann ohnehin kaum erkennen, wie viele Schrauben nun im ersten Salto waren und wie viele im zweiten oder dritten.

Also reißt jeder Athlet nach der Landung die Arme in die Höhe, um die Zuschauer möglichst laut kreischen zu lassen. Auch die Trainer kämpfen oben an der Schanze ihren eigenen Wettstreit im Jubeln aus. Kaum ein Zuschauer weiß auf Anhieb, wie gut ein Sprung wirklich war, und so waren die meisten enttäuscht, als ihr kanadischer Liebling Nissen zurückfiel.

Der Wettbewerb war an Spannung kaum zu überbieten, als Jeret Peterson, der nach seinem ersten Sprung nur auf Platz vier lag, den schwersten Sprung der Konkurrenz sicher stehen konnte. Er hatte zur Abwechslung mal drei Schrauben in seinen zweiten Salto gelegt, also Full-TripleFull-Full, und dafür mit 128 Punkten die zweithöchste Wertung des Tages erhalten. Grischin konnte mit einem zwar nicht so schwierigen, aber sauberen letzten Sprung etwas mehr als einen Punkt vor Peterson retten. »Als ich da oben stand, dachte ich mir: Du musst das jetzt einfach machen«, sagte der 30-jährige Olympiasieger. Irgendwie sieht der Sport viel komplizierter aus.

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