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Grüner Anstrich für Olympia

Vancouver hat hohe Erwartungen von Umweltschützern nicht erfüllt

Die XXI. Olympischen Winterspiele in Vancouver sind Geschichte. Es sollten bekanntlich die »grünsten Spiele« aller Zeiten werden. Aus der Sicht der Umweltverbände hat das nicht so ganz geklappt.

»Wir werden 16 Tage pure Magie erleben«, hatte IOC-Präsident Jacques Rogge kurz vor Beginn der Spiele versprochen. In der Vorbereitung sei alles auf die Athleten, die Umwelt und die Nachhaltigkeit ausgerichtet worden. In der Vergangenheit stellten olympische Winterspiele eher eine ökologische Belastung für die betreffende Region dar: Bergwälder wurden abgeholzt, um für die alpinen Disziplinen sichere Pisten anlegen zu können. Der Eissport fand in riesigen neuen Hallen statt. Und der Transport der Menschen zu den Wettkampfstätten sorgte für gewaltige Treibhausgas-Emissionen.

Um so mehr waren die Organisatoren der Winterspiele in Vancouver bestrebt, neben dem Sport auch den Naturschutz zu fördern. Denn Kanada ist stolz auf seine Umwelttechnologien. Andererseits haben die Kanadier einen hohen Wasser- und Energieverbrauch und produzieren immens viel Müll. Zudem ist Kanada eines der wenigen Länder, die das Kyoto-Protokoll zwar unterzeichnet, aber bislang kaum etwas gegen den Anstieg der Treibhausgase getan haben.

Diese Ambivalenz war auch für die Vorbereitung der Olympischen Spiele kennzeichnend. Maßstäbe setzten die Kanadier zweifellos bei der Stadtplanung. Obwohl sich die Einwohnerzahl Vancouvers in den letzten Jahren mehr als verdoppelt hat, dehnte sich das Stadtgebiet nur geringfügig in die umgebende Natur aus. Für das Olympische Dorf wurde ebenfalls kein neues Land erschlossen, sondern ein ehemaliges Industriegebiet saniert. Bei der Architektur der Olympia-Sportstätten legten die Organisatoren viel Wert auf Energieeffizienz. Und selbst die Medaillen wurden großenteils aus Altmetall gefertigt.

Gleichwohl reduzierten alle Sparmaßnahmen den »CO2-Fingerabdruck« der Spiele nur um 15 Prozent. »Die Veranstalter haben reihenweise ökologische Möglichkeiten verschenkt«, beklagt der kanadische Umweltaktivist und Träger des Alternativen Nobelpreises David Suzuki. Zwar seien vermehrt öffentliche Verkehrsmittel eingesetzt worden. Daneben jedoch habe man Milliarden in den Neu- und Ausbau von Autobahnen investiert, was langfristig wiederum zu einer Zunahme des Straßenverkehrs führen werde. Und während die Veranstalter vollmundig erklärten, nur Recycling-Papier zu benutzen, ließen sie für den Bau der Sportstätten Zehntausende von Bäumen fällen.

Für besonders peinlich halten Umweltschützer die Wahl einiger Sponsoren. Als Beispiel sei die Firma Petro-Canada genannt, die zu den weltgrößten Förderern von Öl aus Teersanden gehört. Der WWF nennt diese »dreckige Technologie« eine »Klimasünde ohne Gleichen«. Ein weiterer Sponsor, General Motors, brachte als »grüne Olympia-Autos« vor allem benzinfressende Geländewagen nach Vancouver, wo Umweltschützer jetzt resigniert feststellen: Auch bei Olympia setzt die Macht der Konzerne der Ökologie enge Grenzen.

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