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Diagnose Krebs

Neue Faltblätter zur Früherkennung nennen auch Testrisiken

Nicht nur eine Krebsdiagnose macht Angst. Es genügt bei manchem bereits die Vorstellung einer solchen Diagnose, um Panik aufkommen zu lassen. Mögliche Reaktionen darauf: Mehr Bewegung ins Leben bringen, gesünder essen, mit dem Rauchen aufhören. Oder auch: Jede Untersuchung zur Früherkennung nutzen, jeden möglichen medizinischen Check in Anspruch nehmen, sei er Kassenleistung oder nicht.

In Sachen Früherkennung hat sich die Deutsche Krebshilfe zu einer Änderung ihrer Informationspolitik entschlossen. Erstmals wurden zu einigen Krebsarten jetzt Faltblätter entwickelt, die nicht nur über den Nutzen, sondern auch über Risiken der Verfahren informieren. Dies kann also auch dahin führen, dass sich Menschen gegen die Untersuchungen entscheiden. Vorgestellt wurden die Flyer am Rande des Krebskongresses in der vergangenen Woche in Berlin. Sie betreffen diejenigen Formen der Tumore, für die eine Früherkennung von den gesetzlichen Krankenkassen finanziert wird: in Darm, Gebärmutter, Brust sowie auf der Haut und in der Prostata.

Für die Untersuchungen spricht aus Ansicht der Experten, dass früh erkannte Geschwulste zumeist gut heilbar sind. Sie ließen sich in frühen Stadien auch schonender behandeln. Aber es gibt auch Kritik, und die sollen Versicherte nun in ihre persönlichen Überlegungen einbeziehen. So können bei Tests Erkrankungen nicht erkannt werden, obgleich sie vorhanden sind. Man spricht in einem solchen Fall von einem »falsch-negativen« Ergebnis. Stellt sich ein erster Krebsverdacht aber nach weiterer Diagnose als unbegründet heraus, wäre dies ein »falsch-positives« Ergebnis.

Studien führten auch zu der Erkenntnis, dass einige Untersuchungsmethoden nicht dazu beitragen, die Sterblichkeit – etwa an Brust- oder Prostatakrebs – zu senken. Auf den Faltblättern werden die verschiedenen Tests zu den genannten Krebsarten vorgestellt. Die Häufigkeit von Befunden wird ins Verhältnis zur Zahl der Untersuchungen gesetzt – und zwar in absoluten Zahlen. So lag die Sterblichkeitsrate von Gebärmutterkrebs 1971 bei 11 von 100 000 Frauen. Heute liegt sie bei drei von 100 000 Frauen. Dazu hat mit einiger Wahrscheinlichkeit der 1971 eingeführte PAP-Test beigetragen – ein Abstrich, bei dem Zellveränderungen erkannt werden können.

Allerdings überschätzen viele Menschen den Wert und die Wirkung von Früherkennungsuntersuchungen – dazu gehören vor allem die Deutschen. Das erbrachte eine Untersuchung des Max-Planck-Institutes für Bildungsforschung in Berlin. So überschätzten 98 Prozent der Frauen und 94 Prozent der Männer die krebsspezifische Sterblichkeit um mindestens das Zehnfache oder konnten den Nutzen von Früherkennungs-Tests überhaupt nicht bewerten. In Europa liegen die Werte ansonsten bei 92 bzw. 89 Prozent. Bedenklich erscheint außerdem, dass die häufige Lektüre von Gesundheitsbroschüren und Arztbesuche mit steigender Überschätzung des Nutzens einher gingen. Das Berliner Institut fordert vollständige, verständliche und verlässliche Patienteninformationen. Nutzen und Schaden sind gleichermaßen darzustellen und Daten dürfen nicht auf Zeiträume hochgerechnet werden, für die gar keine Untersuchungen vorliegen.

Die Faltblätter können bei der Deutschen Krebshilfe e.V., Postfach 1467, 53004 Bonn, kostenlos bestellt oder im Internet unter www.krebshilfe.de heruntergeladen werden.

Fragen zu Krebs?

Seit 1986 kann bei Fragen zum Thema der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg angerufen werden. Sei dem 1. März gibt es eine erste Außenstelle des Informationsdienstes im Dresdner Klinikum Karl Gustav Carus. Anrufe aus den neuen Bundesländern werden automatisch zuerst nach Dresden geleitet. Wenn dort die Kapazitäten erschöpft sind, werden weitere Anfragen von Heidelberg beantwortet. An beiden Standorten sitzen Ärzte an Telefonen oder reagieren auf die E-Mails von Patienten, Angehörigen und Interessierten. Sie geben Auskunft über Ursachen und Risikofaktoren, Prävention, Diagnostik, Therapien und Nachsorge. Auch Adressen von Einrichtungen der medizinischen und psychosozialen Versorgung und Betreuung werden vermittelt. uhe

Telefon: (0800) 420 30 40
Mail: krebsinformationsdienst@dkfz.de
Internet: www.krebsinformationsdienst.de

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