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Zu viele Grundlastkraftwerke

Fraunhofer-Studie zeigt Systemkonflikt in aktueller Energiepolitik

  • Von Steffen Schmidt
  • Lesedauer: 2 Min.
Längere Laufzeiten von Atomkraftwerken oder zusätzliche Kohlekraftwerke sind nach einer Studie aus dem Kasseler Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik (IWES) nicht mit dem vorgesehenen Ausbau erneuerbarer Energien in Deutschland vereinbar. Darauf wiesen bei der Vorstellung der Studie die Deutsche Umwelthilfe (DUH) und der Bundesverband Erneuerbare Energien (BEE) am Montag in Berlin hin.

Die schwarz-gelbe Bundesregierung plant, bis zum Herbst ein nationales Energiekonzept vorzulegen. Schon im Vorfeld allerdings gibt es deutliche Indizien, dass es dabei vor allem um eine Bestandsicherung für die existierenden Großkraftwerke auf der Basis von Kohle und Kernspaltung geht. Sowohl die Debatte um Laufzeitverlängerung für deutsche AKW als auch die drastischen Kürzungen bei den Solarstromvergütungen weisen in diese Richtung.

Die von einem IWES-Team um Michael Sterner erstellte Studie untersuchte unter Verwendung von Wetterdaten aus dem Jahr 2007 Auswirkungen des zunehmenden Anteils der variablen Einspeisung von Strom auf den verbleibenden Kraftwerkspark. Von derzeit 60 bis 90 Gigawatt elektrischer Leistung, die vom Markt abgenommen werden, werden etwa 40 Gigawatt von großen Grundlastkraftwerken erzeugt, die Hälfte davon in AKW. Bei längeren Windspitzen fällt nach Angaben von Sterner so viel Strom aus erneuerbaren Quellen an, dass die Betreiber der Großkraftwerke Abnehmern an der Leipziger Strombörse sogar noch was dazuzahlen mussten. Denn die großen Kohle- und Atomkraftwerke brauchen Stunden oder gar Tage, um angefahren zu werden. »Was wir in Zukunft benötigen, sind flexible Kraftwerke für die Mittel- und Spitzenlast, die schnell an- und heruntergefahren werden können«, ist denn auch die Schlussfolgerung des IWES-Energieexperten.

Der Bedarf an Grundlastkraftwerken werde bei einem Ausbau der Erneuerbaren, wie er von der Bundesregierung geplant ist, im Jahre 2020 nur noch bei 27 Gigawatt liegen. Das entspricht der Gesamtleistung der existierenden modernen und im Bau befindlichen Kohlekraftwerke. Den IWES-Experten zufolge ist bereits im Jahr 2020 damit zu rechnen, dass erneuerbare Energien zu Spitzenzeiten jeweils für einige Stunden den gesamten Strombedarf Deutschlands allein abdecken. Schon aus wirtschaftlichen Gründen wäre also statt einer Laufzeitverlängerung für AKW eher ein beschleunigter Ausstieg angeraten, schlussfolgert der Geschäftsführer des Bundesverbandes Erneuerbare Energie, Björn Klusmann. DUH-Geschäftsführer Rainer Baake forderte die Bundesregierung auf, dies in ihrem neuen nationalen Energiekonzept zu berücksichtigen, das im Herbst vorgelegt werden soll.

Wie die Studie ebenfalls zeigt, sind statt weiterer Investitionen in fossil gespeiste Grundlastkraftwerke verstärkte Forschungen an leistungsfähigen Stromspeichertechnologien und Investitionen in den Netzausbau und ein verbessertes Verbrauchsmanagement nötig. Der harte Kern der vermeintlichen Stromlücke ist die Frage, wie mit größtenteils stark schwankenden Energiequellen in jeder Sekunde der Strombedarf gedeckt werden kann. Neben Pumpspeicherkraftwerken sieht Energieexperte Sterner vor allem in der Umwandlung von nicht benötigten Stromspitzen in Wasserstoff und dann Methan eine Chance. Methan könne man in das vorhandenen Erdgasnetz einspeisen, das zudem über riesige Speicherkapazitäten verfügt. Das Methan könne sowohl in Gaskraftwerken bei Spitzenlasten als auch in Fahrzeugen genutzt werden.

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