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Südafrika im Wandel

Damon Galgut

  • Von Manfred Loimeier
  • Lesedauer: 2 Min.

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Ein Mann kommt in eine fremde Stadt, einen abgelegenen Ort im südafrikanischen Hochland. Er will dort Abstand gewinnen von seinem Leben, das im Zuge des Wandels in der Kaprepublik etwas aus den Fugen geriet, und er träumt von einer Existenz als Poet. Doch anstelle des vita passiva, das er sich in einem von Unkraut umwucherten, verlotterten Häuschen einrichten will, überfällt ihn ein vita activa voller Dramatik. Ein alter Schulkamerad nämlich, an den sich Adam, der Protagonist, eigentlich gar nicht mehr erinnert, nimmt ihn nach einem unverhofften Wiedersehen in Beschlag und zieht ihn in ein riskantes Großprojekt um einen parkähnlich angelegten Golfplatz.

Die Bausteine von Damon Galguts Literatur finden sich also auch in seinem neuen Roman »Der Betrüger« wieder. Schon »Das Sündenopfer« sowie »Der gute Doktor« zeichneten sich durch etwas verschrobene Helden, eine karge raue Landschaft und eine ans Kriminelle grenzende Handlung aus. Unterschwellig werden stets die Probleme des gesellschaftlichen Wandels in Südafrika sichtbar, zeigt sich, wie die Individuen in dem politischen Umwälzungsprozess für ihre Interessen und um ihre Zukunft kämpfen.

Im Roman »Der Betrüger« wirkt mancher Handlungsfaden zunächst etwas unstimmig – die plötzliche Wiederbegegnung der beiden Männer, das unvermittelte Nachsinnen über Naturlyrik. Aber die einprägsamen Landschaftsschilderungen Galguts und seine unverändert knappe und präzise Sprache halten den Lesefluss sowie die Spannung aufrecht. Und schließlich zeigt sich dann trotz mancher irrelevanter Details doch noch, was Galguts These eigentlich ist: nämlich die Unmöglichkeit, sich als Einzelner dem Prozess der Kapitalisierung entziehen zu wollen, mit dem das neue Südafrika gerade Anschluss findet an die restliche Welt. Die Zeit der Abschottung, auch der persönlichen Einigelung, ist in Südafrika ein für alle Mal vorbei, und will man die Zeitläufte kritisieren, dann greift man besser gestaltend ein, statt trotzig und letztlich erfolglos von den Veränderungen nur überrollt zu werden. Ob das dann ein Verrat an persönlichen Auffassungen oder ein konstruktiver Lernprozess ist – dies ist die Frage, die jeder Südafrikaner für sich selbst beantworten muss. Wenngleich »Der Betrüger« wegen des etwas konstruiert wirkenden Handlungsverlaufs also nicht der beste Roman Galguts ist – die Eigenschaften seiner Literatur bleiben angenehm konstant: irritierend, fesselnd und sympathisch spröde.

Damon Galgut: Der Betrüger. Roman. Aus dem Englischen von Thomas Mohr. Manhattan. 302 S., geb., 19,95 €.

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