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Sterbende Straßen

Das Haus Brüder- straße 12 in Halle 1990: Ines Zimmermann hat es wenigstens noch auf ein Foto gerettet (hier ein Ausschnitt), bevor es abgerissen wurde. »Gesichter meiner Stadt. Fotografien aus Halle 1986-1998« heißt der Band, in dem sie die Veränderungen in ihrer Stadt dokumentiert. Was für andere nur »Bruchbuden« waren, empfand sie als »Hauspersönlichkeiten, die im Laufe der Zeit krumm geworden sind – wie alte Menschen«. Das hatte gewiss auch damit zu tun, dass sie inmitten der genormten Bauten von Halle-Neustadt aufgewachsen war. Der Abriss maroder Gebäude, der seit Mitte der 80er Jahre zügig vonstatten ging, berührte sie schon seit Kinderzeiten. Mit einem Fotoapparat namens »beirette«, den sie zu ihrem 11. Geburtstag geschenkt bekommen hatte, ging sie auf Erkundungstour.

In einem Text, der den Fotos beigefügt ist erzählt sie von ihrem Mitleid für die sterbenden Häuser und Straßen, von ihrer Lust, in Ruinen herumzuklettern und mit Kindern zusammen nach »Schätzen« zu suchen. »Inspiriert von zauberhaften Lichtspielen, die den Motiven ein geheimnisvolles Leuchten gaben, sollten atmosphärische Aufnahmen mit einer malerischen Melancholie entstehen.« (Mitteldeutscher Verlag, 128 S., geb., 20 €).

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