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Burle Marx

Asymmetrisch

  • Von Volkmar Draeger
  • Lesedauer: 3 Min.

Welch exotisches Kleinod hätte Berlin erwachsen können, wäre der Entwurf von Roberto Burle Marx für die Umgestaltung des Rosa-Luxemburg-Platzes akzeptiert worden. Der bereits greise Landschaftsgestalter plante zu beiden Seiten der Volksbühne und hinter ihr ein Mosaik aus farbigen Granitplatten, mit Bäumen, Brunnen, Spiel- und Sitzplätzen. Nichts in dem gleichseitigen Dreieck des traditionsreichen Platzes sollte sich wiederholen, die Form durch unsymmetrische Aufteilung gebrochen werden. Als unpassend für jenen Ort wurde die Idee damals abgelehnt, im Jahr darauf, 1994, starb Burle Marx.

Der deutschen Hauptstadt war er seit seiner Jugend verbunden: Der Sohn eines in Trier geborenen deutschen Juden hielt sich 1928/29 in Berlin auf, besuchte Ausstellungen, van Gogh, Picasso, die Expressionisten von Klee bis Kirchner, betrieb im Botanischen Garten zu Dahlem intensive Pflanzenstudien. Hier empfing er erste Anregungen für die Gartengestaltung. Sie und die Malerei, wie er sie daheim in Rio de Janeiro studierte, wurden seine Domäne, obwohl er sich auch als Grafiker, Zeichner, Bildhauer, Keramiker, Musiker, Bühnenbildner, Schmuckdesigner betätigte. Vieles davon zeigt eine umfangreiche Ausstellung in der Brasilianischen Botschaft, die ebenso seinen 100. Geburtstag ehrt.

Heute klingt sein Ansatz logisch, vor 80 Jahren war er revolutionär

Neben qualitätvoller, bisweilen an Klee erinnernder Malerei kommt hier hauptsächlich Burle Marx als Landschaftsdesigner von Weltrang zu Wort. In Zeiten ökologischen Denkens scheint sein Ansatz logisch, vor fast acht Jahrzehnten galt er als revolutionär. Rein einheimische Pflanzen, bislang abfällig als Buschwerk betrachtet, sollten die Gärten und Parks schmücken, gestaltete Landschaft und Architektur sich harmonisch der natürlichen Umgebung eingliedern. Dass Burle Marx als Maler dachte, weisen die Entwürfe aus: Seine Gärten bestehen aus vielen Inseln mit geschwungenen Linien, oft in der Form von nierentischartigen Schlieren, aus abstrakten Gebilden voller Farbe – dynamisch, dicht, prall wie das Leben in Brasilien. Er arbeitete mit Oscar Niemeyer an dessen Brasília-Projekt mit, gestaltete einen Boulevard in Miami, die Gärten des Centre Georges Pompidou sowie die UNESCO-Gärten in Paris, Gärten in Washington, Wien und, als letztes Werk, in Kuala Lumpur.

Seine eigentliche Visitenkarte hinterließ er aber in Brasilien mit gigantischen Landschaftsprojekten. Schon früh hatte ihn Le Corbusier mit der Gestaltung eines Dachgartens nebst Terrasse beauftragt. Bilden in seinen Gärten für private Auftraggeber Plastiken, Fontänen, Einbuchtungen, Rabatten, Steinfelder ein Gesamtkunstwerk, das den umgebenden Bergmassiven zuwächst, die Einheit mit der ungestalteten Natur sucht, so schauen Burle Marx’ Entwürfe für öffentliches Gelände in der Draufsicht wie ein Puzzle aus. Für den Flamengo-Park in Rio sieht er Schleifen und Schlängelwege vor; in einem nicht realisierten Projekt für Sao Paulo hätte man den Park vor einem länglichen Komplex von gestützt gewundener Strada aus bewundert. Auf fünf Kilometern Länge zieht sich vom Flughafen bis zum Zuckerhut der gestaltete Strand der Copacabana hin.

Zeichnung, Gouache, Foto, Dia und Film dokumentieren all das, Entwürfe für Bühnenbilder, Figurinen, Tapisserien stehen für die Vielseitigkeit dieses bedeutendsten Landschaftsarchitekten im 20. Jahrhundert.

Bis 6.3., Brasilianische Botschaft, www.brasilianische-botschaft.de

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