»Ich würde so gern vergessen«

Hessische Sinti und Roma berichten über ihre Kindheit in der NS-Zeit und ihr Leben nach 1945

  • Von Birgit Gärtner
  • Lesedauer: ca. 2.5 Min.

Seit Mitte der 30er Jahre wurden Sinti und Roma von den Nazis in speziellen Konzentrationslagern interniert, die es in vielen deutschen Städten gab, so in Frankfurt-Riederwald. Später waren diese »Zigeunerlager« Sammelstätten für die Deportationen in die Todeslager im besetzten Polen. Allein aus Hessen wurden etwa 1000 Sinti und Roma verschleppt, zwei Drittel überlebten den Faschismus nicht.

In dem Buch »Flucht, Internierung, Deportation, Vernichtung«, herausgegeben vom Landesverband Deutscher Sinti und Roma Hessen, berichten Überlebende der Nazi-Zeit dem Sozialpädagogen Josef Behringer ihre bewegenden Lebens- und Leidensgeschichten. Der Sammelband ist ein wichtiger Beitrag wider das Vergessen – und ein eindringlicher Appell an Toleranz und Solidarität heute.

So unterschiedlich ihr familiärer Hintergrund auch ist, eines eint die 24 von Behringer interviewten Personen: Alle sind Sinti oder Roma, und sie wurden von den deutschen Faschisten verschleppt und interniert. Sie selbst waren noch halbe Kinder, als der Genozid an den Sinti und Roma begann.

Die Väter der Interviewten waren Arbeiter, etwa auf dem Bau oder bei Opel in Rüsselsheim, Handwerker, Kammerjäger oder Beschäftigte bei der Post. Die Mütter waren Hausfrauen, arbeiteten in Fabriken oder verkauften Kurzwaren, und einige der Befragten kamen aus Schaustellerfami...

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