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Alles andere als Luxus: Kreuzfahrt mit der »Louis Majesty«

Passagierschiff wurde im Mittelmeer von eigentlich harmlosen Wellen getroffen. Ergebnis: zwei Tote, 14 Verletzte

Drei rund acht Meter hohe Wellen haben am Mittwoch vor Spanien das zyprische Kreuzfahrtschiff »Louis Majesty« getroffen. Dabei kamen zwei Touristen ums Leben, 14 weitere wurden verletzt.

Es war insgesamt keine glückliche Kreuzfahrt. Die Tour ging von Genua nach Marseille, dann stand Madeira auf dem Plan. Doch das Wetter war zu übel, also wich die Reiseleitung nach Teneriffa aus und von dort nach Lanzarote. Doch auch da war zunächst kein Landgang möglich. Weitere Stationen waren dann Cádiz, Cartagena und Barcelona. Barcelona aber nahm das Schiff nicht an, so »dampfte« die »Louis Majesty« weiter, zurück zum Ausgangshafen in Genua

Die GPS-Kontrolle zeigt, wie sich die Geschwindigkeit des Schiffs in Höhe des Cap Begur bis auf sieben Knoten verringerte, dann eine Drehung über Steuerbord und mit fast Höchstgeschwindigkeit ging es Richtung Barcelona zurück. Dort warteten Ärzte und Sanitäter.

Noch gibt der Unfallhergang Experten Rätsel auf. Zwar hatte es eine Sturmwarnung für das westliche Mittelmeer gegeben. Doch die von den spanischen Behörden vorhergesagten Wellen von fünf bis sechs Metern Höhe sind für so ein großes Schiff kein Problem. Auch Acht-Meter-Wellen, von denen das Schiff offenbar am Mittwochnachmittag gegen 16.30 Uhr getroffen wurde, sind eigentlich kein Grund zur Besorgnis. Und doch – die Wassermassen durchschlugen im Deck 5 die großen Scheiben eines Salons. Menschen wurden von Glassplittern und Mobiliar getroffen. Alle 1500 Passagiere erlebten schlimme Momente, Hektik, Wasser tropfte durch die Decks, per Lautsprecherdurchsage suchte man nach Ärzten.

Eigentlich sind ältere Kreuzfahrt-Schiffe von hochgehender See weniger gefährdet als neuere, sagen Experten. Schaut man sich beispielsweise die AIDA-Baureihe von der Meyer-Werft in Papenburg an, so fällt auf, dass immer mehr Glas verarbeitet wird. Die Tendenz ist weltweit zu beobachten. Konstrukteure, Werften und Reeder sind um das höchste Wohl ihrer Gäste bemüht. Eine Kreuzfahrt muss Luxus vermitteln. Viel Licht und Luft gehören dazu. Die Frage ist: Bleibt deshalb Sicherheit auf der Strecke? Der Germanische Lloyd, der »Schiffs-TÜV«, mag sich weder dazu noch zu dem aktuellen Geschehen im Mittelmeer äußern.

Möglich, dass der Kreuzfahrer von einer sogenannten »Drei- Schwestern-Welle« attackiert wurde. Die sind vor allem durch ihren kurzen Abstand gefährlich. Auf keinen Fall waren es jedoch so genannte Freak- oder Rogue-Waves, also Monsterwellen in Hochhausgröße, deren Existenz lange negiert wurde – auch weil es kaum Überlebende Seeleute gab, die darüber berichten konnten.

Inzwischen weiß man, dass solche Monsterwellen häufig die Meere aufwühlen. ESA-Satelliten haben die Ozeane beobachtet und in nur drei Wochen zehn Wassergiganten, die mehr als 25 Meter hoch waren, registriert. 1995 erwischte es die berühmte »„Queen Elizabeth II«, im Februar 2001 wurde der deutsche Luxus-Liner »Bremen« getroffen, der dann zwei Stunden manövrierunfähig im Südatlantik trieb. Das Wasser hatte die gesamte elektronische Schiffführung der Brücke ausgeschaltet. Viele ungeklärte Schifffahrtskatastrophen – auch der Untergang des rund 260 Meter langen deutschen Frachters »München« 1978 im Atlantik – werden auf Monsterwellen zurückgeführt. Mit Tsunamis, die durch Erdbeben verursacht werden, haben die Wellen nichts zu tun.

Noch wagen Experten keine Ursachenprognosen. Wohl aber gibt es bis jetzt keinen Grund, von menschlichem Versagen oder technischen Problemen zu reden. Dabei hat das Schiff, das 1989 für Birka Line in Finnland auf Kiel gelegt worden war, eine bewegte Geschichte. Nachdem die Bauwerft in Konkurs ging, hat sich Birka Line mit dem Wert des halb fertigen Rohbaus an der Nachfolgewerft beteiligt. Im Februar 1990 wurde der Rohbau von der Majesty Cruise Line übernommen, am 7. Juli 1992 konnte die »Royal Majesty« ihre Jungfernfahrt von Southampton nach New York absolvieren. Fortan war sie an die Dolphin Cruise Line verchartert und stand im Karibik-Dienst. Im November 2007 wurde sie von der Norwegian Cruise Line übernommen und lief unter dem Namen »Norwegian Majesty«. 1999 kam sie in die Bremerhavener Lloydwerft und wurde um 33,6 Meter gestreckt. Seit Dezember 2009 ist das Schiff als »Louis Majesty« und unter der Flagge Maltas für Louis Cruise Lines im Einsatz.

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