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Miss Lupun zieht ihre Kreise

Ein neues Zahlenrätsel aus Süddeutschland fordert die Sudokuszene heraus

  • Von Michael Scheuermann
  • Lesedauer: 4 Min.

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Miss Lupun zieht ihre Kreise

Konstanz ist im Rätselfieber. Spätestens seit vergangenen November im lokalen Wochenanzeiger ein neues Zahlenrätsel seinen festen Platz neben Sudoku einnimmt, versuchen sich alle, vom Schüler bis zum Rentner, an der neuartigen Denksportaufgabe Miss Lupun. Entwickelt wurde sie von Thomas Sing und Ralph-Peter Gebhardt. Zwei Jahre brauchten die beiden, um Miss Lupun zur allgemeinen Rätselreife zu führen. Das Tüfteln hat sich gelohnt: Nun beginnt das neue Denkspiel vom Südrand der Republik aus, den Rest der Welt herauszufordern. Lokal findet es durch Zeitungen und durch Buchbändchen seine Anhänger, national und international durch Internet und als I-Phone-Anwendung.

Alte Leidenschaft

»Dinge gedanklich auseinanderzunehmen und neu zusammenzusetzen ist eine alte Leidenschaft von mir«, erzählt Volkswirt Thomas Sing. Alles habe mit einem Musikrätsel, in dem »durch Abziehen und Hinzufügen von Halbtonschritten, neue Akkorde zu suchen waren«, begonnen. Als er seinem Fußballkumpel Ralph-Peter Gebhardt, der als Psychologe mit Gedächtnis- und Intelligenztrainings vertraut ist, seine Idee vorstellt, beschließen sie, sie gemeinsam weiterzuentwickeln.

Anfang 2008 war der erste Prototyp des »unterhaltsamen Rätsels für Jedermann« fertig. Abziehen und dazuzählen im Zahlenbereich von 0 bis 9 – mehr Anforderungen an mathematisches Können stellt Miss Lupun eigentlich nicht. Weder Minusergebnisse noch zweistellige Zahlen kommen darin vor. Die Würze des Spiels liegt im logischen Kombinieren von vier mal fünf neben- und untereinander auszuführenden Rechnungen. Schwierigkeitsgrade reichen von total leicht bis ganz schön schwer bzw. null bis neun auf der Miss-Lupun-Skala.

Zuerst sei das Zahlenrätsel im Verwandten- und Bekanntenkreis herumgereicht worden, berichten Sing und Gebhardt. Die durchweg positiven Rückmeldungen hätten ihnen Mut gemacht, Miss Lupun zur Serienreife weiterzuentwickeln. Dazu habe bei jedem einzelnen Spiel die Eindeutigkeit der Aufgabenstellung geprüft und der Schwierigkeitsgrad festgelegt werden müssen. Mittlerweile richteten sie ihr Augenmerk verstärkt auch auf die Lösungswege, erklärt Miterfinder Gebhardt. Um die über 300 000 möglichen Variationsmöglichkeiten zu erproben, stehen den beiden Erfindern inzwischen über 100 Tester aller Altersgruppen zur Seite.

Seit einem Jahr gehören Burkhard Küchler und Familie dazu. Zeit für aufwändige Ratespiele habe der Unternehmer keine und deshalb auch noch nie ein Sudoku gelöst, gesteht er ein. Doch habe Miss Lupun ihn auf Anhieb durch seine Tiefe überzeugt.

»Das kann einen richtig fesseln«, begeistert sich Brigitte Gerstmeier, mit 69 Jahren eine der ältesten Testerinnen. Sie gönnt sich den Spaß manchmal über eine Stunde lang. Dagegen gehört die elfjährige Gymnasiastin Paula zu den Jüngsten im Rateteam. Sie findet Miss Lupun so gut, dass sie es im Unterricht vorstellte.

Plus und Minus

Zur Vermarktung gründeten die Erfinder eine Firma und entwickelten zur effizienteren Kontrolle der Spielvarianten ein Computerprogramm. Um Miss Lupun webten sie eine im alten Ägypten angesiedelte Geschichte. Den Namen, der aus den Buchstaben der Wörter »Plus und Minus« neu zusammensetzt wurde, schützten sie. Für den Internetauftritt wurde Fachmann Volker Firnhaber mit ins Boot geholt.

Seit einem Jahr verkauft sich der erste Band des von Sing und Gebhardt im Eigenverlag herausgegebenen Rätselbüchleins gut, berichtet Patricia Rast von der Buchladenkette Osiander. Ein zweiter Band mit höherem Schwierigkeitsgrad folgte. Ein Dritter stehe vor der Auslieferung, kündigt Sing an. Seit einem halben Jahr findet es im Kreativtrainer des Hamburger P.M.-Magazins landesweit Fans. Der Spieleverlag Ravensburg habe zugesagt, eine von Sing, Gebhardt und Firnhaber weiterentwickelte Brettspielversion zu testen, berichten sie.

Für Smartphones gibt es eine Spielapplikation und unter misslupun.de eine kostenlose Onlineversion. Noch bieten Sing und Gebhardt die Rätselabdrucke honorarfrei an. Doch hoffen sie, damit irgendwann auch Geld zu verdienen.

Foto: Thomas Sing (l.), Ralph-Peter Gebhardt
Das Miss-Lupun-Ziel ist es, von den vier Zahlen in der ersten Zeile durch jeweils fünf Rechenoperationen in den senkrechten Reihen zu den Zahlen in der letzten Zeile zu gelangen. Welche Rechenoperationen in jeder Zeile vorgenommen werden müssen, ist durch die kleinen Zahlen mit den + bzw. – Vorzeichen vorgegeben. Nur: Die sind lediglich ihrer Größe nach sortiert. Herauszufinden ist also, welche Rechenoperation zur jeweiligen Spalte gehört; jede Rechnung muss eine Zahl von 0 bis 9 ergeben. Versuchen Sie es einmal! Die Lösung finden Sie rechts unten (nur Printausgabe).

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