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Geraubte Franken-Illusion

Österreichs Banken dürfen kaum noch Fremdwährungskredite anbieten

  • Von Manfred Maurer, Wien
  • Lesedauer: 3 Min.

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Die österreichische Finanzmarktaufsicht schiebt der Vergabe von Fremdwährungskrediten einen Riegel vor. Franken-Kredite wird es künftig nur noch in Ausnahmefällen geben.

Eigentlich sind die Österreicher in finanziellen Angelegenheiten ein erzkonservatives Völkchen. Ihr Geld legen sie fast ausschließlich in Sparbüchern und Bausparverträgen an. Spekulieren an der Börse gilt als viel zu riskant. Trotzdem sind nicht wenige als Zocker unterwegs – oft ohne sich des Risikos bewusst zu sein, haben sie ihren Hausbau mit einem Fremdwährungskredit finanziert. Rund 250 000 solcher Kreditverträge mit einem Gesamtvolumen von 35 Milliarden Euro haben österreichische Privathaushalte haben derzeit laufen.

Bis vor einigen Jahren waren Yen-Kredite sehr beliebt. Wegen der gestiegenen Volatilität der japanischen Währung wurde aber der Schweizer Franken zum Favoriten. Dieser vermittelt dem Laien zudem ein subjektives Sicherheitsgefühl: Die Schweiz ist ein reiches Land, was soll da schon schief gehen? Teodoro Cocca, Professor an der Universität Linz und Autor einer Studie über Fremdwährungskredite, ortet in Österreich eine »Schweizer-Franken-Illusion«. Die Kursrelation werde gefühlsmäßig zu stabil eingeschätzt, während der Euro-Franken-Kurs immer stärker schwankt. Außerdem ist der Zinsvorteil geschrumpft: Bis zum Jahr 2008 lag das eidgenössische Zinsniveau bis zu zwei Prozent unter dem in der Euro-Zone. Mittlerweile ist dieser Vorteil auf einen halben Prozentpunkt geschmolzen.

Ein zusätzliches hochspekulatives Element kommt bei so genannten endfälligen Krediten hinzu: Hier zahlt der Kreditnehmer nur die laufenden Zinsen und spart über einen Fonds oder eine Lebensversicherung die zum Ende der Laufzeit fällige Rückzahlungssumme an. Da diese Anlageformen in der aktuellen Krise dramatisch gelitten haben, ist so mancher Kreditnehmer in die Bredouille geraten. Der günstige Franken-Kredit entpuppt sich als teure Spekulantenfalle.

Die Banken halten sich daher schon seit Herbst 2008 in einer freiwilligen Selbstverpflichtung mit der Neuvergabe von Fremdwährungskrediten zurück. Jetzt will die Finanzmarktaufsicht aber diesen versteckten Spekulationsgeschäften auch formell einen Riegel vorschieben. Banken werden Fremdwährungskredite nur noch dann anbieten dürfen, wenn der Kreditnehmer über ein Einkommen in der entsprechenden Währung verfügt. Für einen Vorarlberger, der in der Schweiz arbeitet, stellt sich das Währungsrisiko nicht so. Auch wohlhabende Privatkunden, die das Risiko tragen können, sowie Firmen sind von der Beschränkung ausgenommen. Grundsätzlich verboten werden endfällige Tilgungsträgerkredite – egal ob in Fremdwährung oder in Euro.

Die Finanzmarktaufsicht drängt die Banken zudem, die bestehenden Fremdwährungskredite rasch abzuschmelzen und den Kunden den Ausstieg zu erleichtern. Das geschieht auch schon. So erlassen einige Banken ihren Kunden die beim Umstieg auf Eurokredite anfallenden Gebühren. Gleichzeitig berichtet aber die Bank Austria von noch immer großem Interesse an Fremdwährungskrediten. Die Österreicher, also doch ein Zockervolk, das sich seiner Veranlagung nur nicht ganz bewusst ist?

lexikon

Endfällige Tilgungsträgerkredite sind eine Sonderform von Bankdarlehen. Endfällig bedeutet, dass der Kreditnehmer die Tilgung nicht über die Laufzeit des Darlehens verteilt vornimmt, sondern am Ende in einer Summe. Diese wird über einen Tilgungsträger bezahlt, wobei es um eine Lebensversicherung, Investmentfondsanteile oder ein Aktiendepot handeln kann. Der Kreditnehmer setzt darauf, dass die Erträge des Tilgungsträgers deutlich über den Zinszahlungen für den Kredit plus den Bankgebühren liegt. Ist dies nicht der Fall, entpuppt sich das komplexe Modell als Verlustgeschäft. ND

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