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»Der Osten lädt ein e. V.« fördert Ost-West-Beziehungen auf besondere Art

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Eine Reiseanalyse der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen e.V. aus dem Jahr 2009 besagt, dass es bei der Wahl der Reiseziele der Ost- und Westdeutschen nach wie vor große Unterschiede gibt. Im eigenen Lande bevorzugen die Ostdeutschen noch immer den Osten und die Westdeutschen den Westen. Damit sich das ändert, gründete der gebürtige Westdeutsche den Verein »Der Osten lädt ein e.V.« ND sprach mit dem Gründer, Holger Lauterbach.
Holger und Lucia Lauterbachs Liebe zum Osten wirkte ansteckend.
Holger und Lucia Lauterbachs Liebe zum Osten wirkte ansteckend.

ND: Was verbirgt sich hinter Ihrem Projekt?
Lauterbach: Auf einen kurzen Nenner gebracht: Wir wollen, dass Menschen sich auf den Weg machen, um Landschaften und seine Bewohner im Osten kennenzulernen, die normalerweise nie in ihrer Reiseplanung vorgekommen wären.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen?
Durch Zufall: Vor sechs Jahren fuhr ich mit meiner Frau auf unserer Hochzeitsreise nach Bad Muskau. Ich wollte ihr meinen Wald zeigen, zu dem ich wie die Jungfer zum Kind gekommen war. Ich hatte damals eine eigene Firma in Wuppertal, und als ein Geschäftspartner Konkurs anmelden musste, zahlte er mir ausstehende Beträge in Form von Naturalien – 4500 Quadratmeter Wald neben seinem früheren Hotel. Uns beiden gefiel es in der Region so gut, dass wir uns entschlossen, das leer stehende Hotel zu kaufen. Mit dessen Hilfe wollten wir unsere Begeisterung für Land und Leute auf viele andere übertragen.

Und wie lockten Sie die Gäste aus dem Westen in »den tiefsten Osten«?
Wir druckten 150 000 Werbezettel und verteilten sie in Waldorfschulen in den alten Ländern, mit denen ich durch mein Unternehmen verbunden war. Unser Angebot: Sie kommen für eine Woche und wohnen kostenlos. Am Ende bestimmt jeder selbst, was ihm der Aufenthalt wert war. Mit durchschlagendem Erfolg. Nach nur 14 Tagen war das Haus für ein Jahr ausgebucht.

Was waren das für Leute, die sich auf so ein Angebot einließen?
Es waren genau die, die wir auch erreichen wollten: Leute, die ansonsten nie auf die Idee gekommen wären, im Urlaub nach Ostdeutschland zu fahren. Viele sahen es anfangs wohl als Abenteuer, viele fragten auch erst, wo denn der Haken sei.

Und wo war der Haken?
Es gibt keinen. Natürlich kann man nichts verschenken, ein Hotel muss unterhalten werden, und das kostet. Aber meine Frau und ich hatten uns gewissermaßen eine »missionarische« Aufgabe gestellt. Wir wollten unsere Begeisterung für die schöne Natur und die freundlichen Menschen hier auf andere übertragen und leider noch verbreitete Vorurteile gegenüber dem Osten abbauen.

In all den Jahren ist es tatsächlich nur einmal vorgekommen, dass jemand gar nichts gezahlt hat. Und dass die meisten gern auch bei uns essen, obwohl sie auch das nicht müssten, dafür sorgt ein sehr guter junger Koch, der übrigens aus der Region kommt.

Vor drei Jahren gründeten Sie den Verein »Der Osten lädt ein« (www.Der-Osten-laedt-ein.de). Sie hätten es doch bei der bestehenden und ganz offensichtlich funktionierenden Form belassen können.
Sicher, aber wir hatten inzwischen gemerkt, dass sich die Gäste immer mehr vermischten. Waren es anfangs tatsächlich vorwiegend Leute aus dem Westen, so vermischte sich das schon bald. Urlauber aus Ost und West kamen so ins Gespräch, das gegenseitige Interesse für die anderen war immer deutlicher zu spüren. Freundschaften entstanden, inzwischen kommen viele, die sich hier kennengelernt haben, zum gemeinsamen Urlaub. Mit der Vereinsgründung entstand ein Forum zur Förderung von Ost-West-Begegnungen. Es gibt inzwischen zahlreiche Veranstaltungen – von der Buchlesung über Diskussionen bis zu Filmabenden –, die sehr gut angenommen werden.

Sie haben mit Ihrer Liebe zum Osten viele angesteckt. Hätten Sie das anfangs gedacht?
Zumindest erhofft. Wir freuen uns immer wieder, wenn sich Gäste dafür bedanken, dass dank unserer Anregung eine Reise ins Ungewisse zu einem ganz neuen guter Blick auf Ostdeutschland führte. Viele sind inzwischen Stammgäste in Bad Muskau und dehnten ihre Neugierde auf andere Regionen in den sogenannten neuen Ländern aus.

Und was hat sich bei Ihnen verändert?
Wir sind mit Sack und Pack in den Osten gezogen. Unser Lebensmittelpunkt ist Bad Muskau, die Firma hat ihren Sitz heute in Görlitz. Wir können mit Fug und Recht sagen, dass wir angekommen sind.

Gespräch: Heidi Diehl

ndPlus

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