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Vattenfall will viel Holz verheizen

Bürger konnten sich über Planung von Karlshorst-West und das neue Kraftwerk informieren

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So ganz überzeugt von der Klimafreundlichkeit der neuen Vattenfall-Heizkraftwerke am Standort Klingenberg im Lichtenberger Ortsteil Karlshorst waren die Bürger nicht, als sie die Informationsveranstaltung des Bezirksamtes verließen. Die Planungen für das 77 Hektar große Gebiet Karlshorst-West wurden am Donnerstag Abend erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Vorgesehen sind auch neue Wohnungen und ein Gewerbegebiet – aber auch die Nachfolgebauten des jetzigen Braunkohle-Heizkraftwerks. Hier will Vattenfall bis 2020 zwei Biomasse- und ein Erdgas-Heizkraftwerke errichten.

»Alles klimafreundlich und ökologisch geplant«, versicherte Vattenfall-Projektleiter Stephan Helbig immer wieder. Doch das wollten die skeptischen Anwohner nicht so recht glauben. So wird der geplante 60 Meter hohe Kühlturm als überflüssig empfunden. Hier könne auch mit Gegendruckturbinen gearbeitet werden, argumentierten die Gegner. »Der Kühlturm ist notwendig«, erklärte dagegen Projektleiter Helbig. Er diene dazu, die Energie zu jeder Jahreszeit effizient nutzen zu können.

Und wie steht es mit der Umweltverträglichkeit, dem Grundwasserschutz und der Bodenverseuchungen durch Altlasten? »Die Gutachten kommen alle noch«, beschwichtigte Klaus Güttler-Lindemann, Leiter des Planungsamtes. »Wir sind erst ganz am Anfang.« Und die Bürger hätten noch genügend Zeit, um Kritik zu äußern und Vorschläge einzubringen. »Die werden alle berücksichtigt«, versicherte der Amtschef. Noch bis zum 19. März können Anregungen im Amt für Planen und Vermessen (Alt-Friedrichsfelde 60, Haus II, 12. Stock) abgegeben werden. Das Protokoll des Informationsabends werde im Internet veröffentlicht.

»Mit den neuen Kraftwerken verringert Vattenfall den Ausstoß von Kohlendioxid um mehr als 50 Prozent. Und Berlin forderte nur 40 Prozent«, informierte Projektleiter Helbig. Bei Strom und Wärme werden die CO2-Emmissionen den Angaben zufolge um 30 Prozent reduziert. Dazu habe sich der Energieversorger verpflichtet.

»Klingenberg ist bis heute das Rückgrat der Fernwärme für den Ostteil der Stadt und versorgt zusammen mit dem Heizkraftwerk Lichtenberg 400 000 Menschen«, sagte Stephan Helbig. Das mit Erdgas betriebene Kraftwerk werde voraussichtlich bis 2016 in Betrieb genommen, die Biomasse-Anlagen bis 2017/19. Dann habe das heutige Kraftwerk ausgedient.

Die große Sorge der Anwohner, dass aus den Biomasse-Kraftwerken »durch die Hintertür« Müllverbrennungsanlagen entstehen, konnte der Vattenfall-Mann nicht vertreiben. »Wir beabsichtigen, nur naturbelassenes Holz zu verwenden«, so Helbig. Das sei auch im Immissionsschutzgesetz festgeschrieben. Danach darf kein behandeltes Holz verwendet werden. 700 000 Tonnen pro Jahr will Vattenfall verheizen. Das sind 1917 Tonnen pro Tag. Aber woher das ganze Holz nehmen? »Wir sind da international unterwegs«, erklärte ein Vattenfall-Mitarbeiter. »Und wir sorgen uns um Art und Herkunft der Biomasse, die hier verbrannt werden soll«, meinte Jürgen W. Laue von der Interessengemeinschaft »Saubere Biomasse«. Eine Mogelpackung wolle man sich nicht unterjubeln lassen.

Klaus Koch vom Umweltnetzwerk kritisierte den Standort der Kraftwerke in unmittelbarer Nähe eines Wohngebiets. Man werde die Planung kritisch verfolgen. Der Umweltexperte referiert zu diesem Thema am 16. März um 19 Uhr in der Kita »Waschbär«, Georg-Löwenstein-Straße 22.

www.was-wir-nicht-wissen-sollen.de; www.berlin.de/ba-lichtenberg

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