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Untreue im Bordell

Markus Hebgen, einst CDU-Spitzenpolitiker in Mainz, wurde zu zwei Jahren Bewährung verurteilt

  • Von Jens Albes, dpa
  • Lesedauer: 3 Min.
Der ehemalige rheinland-pfälzische CDU-Fraktionsgeschäftsführer Markus Hebgen hat vor Gericht die Veruntreuung von Geldern gestanden. An die Union gibt es weiterhin Fragen.
Ein CDU-Problem: der frühere Unionspolitiker Hebgen (vorn) Foto:dpa
Ein CDU-Problem: der frühere Unionspolitiker Hebgen (vorn) Foto:dpa

Mainz (dpa/ND). Wegen Veruntreuung von Steuergeld auch im Rotlichtmilieu ist der frühere rheinland-pfälzische CDU-Fraktionsgeschäftsführer Markus Hebgen zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden. Der 44-Jährige hatte am Montag vor dem Amtsgericht Mainz Untreue in 18 Fällen und Betrug in einem Fall gestanden. Insgesamt hatte er in seiner Amtszeit 2003/06 einen Schaden von mehr als 80 000 Euro verursacht – allerdings nur teilweise zu seinen Gunsten. Hebgen muss zudem 150 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

In das rechtskräftige Urteil bezog das Gericht Hebgens frühere neunmonatige Bewährungsstrafe ein: Er hatte später auch als Geschäftsführer der Stiftung Kloster Eberbach im hessischen Rheingau rund 30 000 Euro veruntreut.

Am Montag betont der redegewandte Hebgen, die CDU-Landtagsfraktion, die Steuergeld erhält, habe ihn seinerzeit unzureichend kontrolliert. »Aus tiefstem inneren Herzen« entschuldige er sich bei ihr, erklärt der Mann, der einen grauen Anzug, ein weißes Hemd und eine schlichte Brille trägt. Er gesteht auch, vom Konto der CDU/CSU-Fraktionsvorsitzendenkonferenz, deren Geschäfte er seinerzeit ebenfalls geführt hatte, rund 52 000 Euro in die Kasse der Landtagsfraktion in Mainz geleitet zu haben. Damit habe er in der heißen Phase des Landtagswahlkampfs 2006 die Fraktion vor drohender Zahlungsunfähigkeit bewahren wollen. Wenige Tage später habe er den damaligen Partei- und Fraktionschef der CDU, Christoph Böhr, darüber informiert. »Dieser hat das unkommentiert zur Kenntnis genommen«, ergänzt Hebgen. Auch der Fraktionsvorstand habe davon in Grundzügen erfahren, sei aber ebenfalls nicht eingeschritten.

Hartz IV und depressiv

Hebgen sagt mit Blick auf die Scheidung von seiner ersten Frau, die privaten Zahlungsverpflichtungen seien ihm über den Kopf gewachsen. Daher habe er wiederholt in die Fraktionskasse gegriffen. »Ich wollte meinen Kindern gegenüber nicht als Versager dastehen«, erklärt der Vater dreier Söhne. Zur Privatinsolvenz habe ihm der Mut gefehlt.

Besonders schwer falle es ihm, über seine Hochzeitsreise mit seiner zweiten Frau nach Jordanien zu reden, ergänzt Hebgen. Auch dort habe er die Faktionskreditkarte für Hotelrechnungen gezückt: »Ich wollte einfach als der Macher dastehen.« Dennoch habe er »weiß Gott keinen aufwendigen Lebensstil geführt«, versichert Hebgen, der kürzlich als Führer in der Wiesbadener »Titanic«-Ausstel- lung wieder aufgetaucht war. Heute lebe er von Hartz IV, bemühe sich aber um neue Arbeit. Zudem sei er depressiv, schwerhörig, zu 60 Prozent behindert und hoch verschuldet. Einen Teil des veruntreuten Geldes habe er gleichwohl längst zurückgezahlt.

Schwerwiegend ist der immaterielle Schaden für die CDU im Lande, die mit der Spitzenkandidatin Julia Klöckner bei der Landtagswahl 2011 endlich den dienstältesten Ministerpräsidenten Kurt Beck (SPD) ablösen will. Für Aufregung hatte unter anderem Hebgens frühere Behauptung gesorgt, er habe 2005 mit fünf Parteifreunden das Berliner Bordell »Rascona« besucht. Für die Begleitung fand die Staatsanwaltschaft jedoch keine Belege. Und auch am Montag nannte Hebgen keine Namen.

Bangen in der Fraktion

Ebenfalls nur am Rande kam seine frühere Beschuldigung zur Sprache, Böhr habe rund 386 000 Euro Fraktionsgeld illegal für den Landtagswahlkampf 2006 eingesetzt. Hier allerdings dauert das Bangen der CDU-Fraktion an: Tatsächlich vermag sie die Verwendung dieser Summe nicht zweifelsfrei zu belegen. Nun drohen Rückforderungen und Geldstrafen.

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