• Kultur
  • Beilage zur Leipziger Buchmesse

Worte der Aufrichtigkeit

ERINNERUNGEN EINES THEOLOGEN

  • Von Sarah Fischer
  • Lesedauer: ca. 2.0 Min.

Am 26. Mai 1945 schreibt der Wehrmachtsgefreite aus Italien an die Mutter über seine Gefangennahme: »Ich muß bekennen, daß ich mich befreit fühlte, denn die Gedankenfreiheit, die wir nun haben, ist etwas so lang Entbehrtes, so Köstliches, dass ich den Stacheldraht gar nicht sehe!« Dieser 19-Jährige erlebte die Niederlage des Faschismus im Gegensatz zu vielen Deutschen als Befreiung. Und diese Erfahrung prägt seinen weiteren Lebenslauf. Das Stuttgarter Schuldbekenntnis der Kirche vom 19. Oktober 1945 nahm er leidenschaftlich auf; der auf sein Leben zurückblickende Theologieprofessor gesteht, damals deren Schwachstellen übersehen zu haben, etwa die Selbstrechtfertigung.

Posthum ist die unvollendet gebliebene Autobiografie des im vergangenen Jahr verstorbenen Hanfried Müller erschienen. Sie endet im Jahr 1973, doch finden sich zwischendurch vorgreifende Reflexionen, die sich mit der Wende in der DDR und deren Beitritt zur BRD befassen, di...


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