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Für den Inbegriff von Hoffnung

Ein Buch über Babelsberger Kinderfilme, die keine marktgerechten Billigproduktionen waren

  • Von Wolfgang Brauer
  • Lesedauer: 3 Min.

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Ein neuer Band der Schriftenreihe der DEFA-Stiftung, der es verdient, aus der Lektüreecke des interessierten Fachpublikums herausgeholt zu werden: »Deutsche Kinderfilme aus Babelsberg. Werkstattgespräche – Rezeptionsräume«. Der Titel ist ungenau und führt ein wenig in die Irre. Der diesbezügliche Aufsatz Klaus-Dieter Felsmanns untersucht genau genommen nur einen der zwei großen »Rezeptionsräume« des DEFA-Kinderfilmes, die Bundesrepublik Deutschland 1979 bis 1989. Felsmann fördert Erstaunliches zu Tage.

Ende der 1980er Jahre gründeten vier bundesdeutsche Verleihfirmen unter dem Namen »Cinekid« in Düsseldorf ein Film-Service-Büro, um dem gewachsenen Bedarf nach Kinderfilmen besser nachkommen zu können. Die erste »Cinekid«-Verleihstaffel 1989 führt 64 Filme auf. Von denen stammen 33 aus der DDR! Felsmann führt auch diese überraschenden Zahlen als Beleg dafür an, dass der DEFA-Kinderfilm »eine wichtige Patenfunktion für die Etablierung einer eigenständigen Kinderfilmszene in der Bundesrepublik hatte,« die es bis weit in die 1970er Jahre »mehr oder weniger« nicht gegeben habe. Und es waren keine marktgerechten Billigproduktionen, die da einer Nischenexistenz frönten. Klassiker wie die »Die Geschichte vom kleinen Muck« (1953) aber auch aktuelle Filme wie »Das Schulgespenst« (1987) und »Moritz in der Litfasssäule« (1983) konnten sich beispielsweise im nicht-gewerblichen Bereich (also den ganz speziell für Kinder organisierten Sondervorführungen außerhalb des kommerziellen Kinoprogramms) gegenüber einem internationalen Ausnahmefilm wie »Ronja Räubertochter« (1984) in der Publikumsgunst behaupten. Felsmann beschreibt die Rezeptionsgeschichte des DEFA-Kinderfilms in der Bundesrepublik kenntnisreich und detailgetreu. Seine Eingangsthese, dass der »Kinderfilm vor der Wiedervereinigung vielfältige verbindende Stege« zwischen Ost und West geschaffen habe, kann er eindrucksvoll belegen. Interessant wäre allerdings die in seiner Untersuchung ausgeklammerte Frage, wie es denn in der DDR mit der Rezeption des bundesdeutschen Kinderfilmes gestanden hatte.

Die Entstehungsbedingungen des DDR-Kinderfilms, der in den seltensten Fällen dem von manch westdeutschen Rezensenten erwartetem »flachen Stil des sozialistischen Realismus« entsprach, lassen sich in vier Interviews des Buches nachverfolgen, die Bernd Sahling auf kluge und subtile Weise geführt hat. Helmut Dziuba (»Sabine Kleist, 7 Jahre«, 1982), Hannelore Unterberg (»Konzert für Bratpfanne und Orchester«, 1976), Rolf Losansky (»Moritz in der Litfaßsäule«, 1983) und Günter Meyer (»Kai aus der Kiste«, 1988) geben Auskunft, wie für und mit Kindern bei der DEFA produziert wurde, nämlich indem man sie ernst nahm. Diese große Ernsthaftigkeit war es wohl, die dem Kinderfilm aus der DDR die vom bundesdeutschen Rezensenten konstatierten »eigenständigen Sichtweisen« und den »subjektiven Stilwillen« ermöglichte. Felsmann zitiert Heiner Carow: »Für mich sind Kinder sozusagen der Inbegriff an Menschlichkeit und Hoffnung und Freundlichkeit …«. Im Aufmerksammachen auf diese Grundprinzipien in der künstlerischen Arbeit »mit Geschichten für Kinder möglichst nah am Leben«, wie sie Bernd Sahling einfordert, liegt ein weiterer großer Wert dieses Buches. Es sei allen ans Herz gelegt, die sich mit der künstlichen Gier nach den »nächsten Wilden Kerlen, Hühnern oder Rennschweinen«, wie Helmut Dziuba bitter bemerkt, nicht abfinden wollen. Das gilt für die anderen Künste ebenso.

Klaus-Dieter Felsmann/Bernd Sahling: Deutsche Kinderfilme aus Babelsberg. Werkstattgespräche – Rezeptionsräume, Berlin 2010 (Schriftenreihe der DEFA-Stiftung), 166 S., brosch., 12,50 €.

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