Gerhard Armanski 20.03.2010 / Kolumnen
Gastkolumne

Die Rache des Verdrängten

Der Sozialwissenschaftler lehrt an der Universität Osnabrück.

Nach ihrem Selbstverständnis sind die Kirchen Häuser Gottes in der Zeit – und daher durchaus fehlbar. Allerdings beschloss man schon im Mittelalter, dass auch ein sündiger Priester ungeschmälert die Sakramente austeilen dürfe. Mittlerweile sind Hunderte von Jahren vergangen, wir sind in der Moderne angekommen. Für die Kirchen, zumal die katholische, bedeutet das ein Problem. Das aufgeklärte Bewusstsein in der pluralistischen Gesellschaft lehnt den Geltungs- und Wahrheitsanspruch einer allein selig machenden Religion und Kirche ab. Will diese ihre Anhänger halten bzw. vermehren, wird sie sich auf die aktuellen Bedingungen einlassen müssen. Zu diesen zählt auch eine von der kirchlichen Institution unabhängige Öffentlichkeit, die angesichts der bekannt gewordenen (und noch verborgenen) Fälle sexuellen Missbrauchs an Abhängigen geradezu aufschreit.

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