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Wir waren überzeugt von der Idee

Leipziger Buchmesse: Kurt-Wolff-Förderpreis für den jungen Live-Literatur-Verlag Voland & Quist

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Der Leipziger Sebastian Wolter, geboren 1980, gründete 2004 gemeinsam mit Leif Greinus den Verlag Voland & Quist. Auf der Buchmesse wurde die Arbeit der Jungverleger mit dem Förderpreis der Kurt-Wolff-Stifung zur Förderung einer vielfältigen Verlags- und Literaturszene belohnt. Mit SEBASTIAN WOLTER sprach MARTIN HATZIUS.

ND: Wir gratulieren zum Förderpreis der Kurt-Wolff-Stiftung, der mit 5000 Euro verbunden ist. Was bedeutet Ihnen dieser Preis?
Wolter: Wichtiger als das Preisgeld ist für uns die Anerkennung von so einer renommierten Institution. Unsere Verlagskonzept erfährt dadurch einen Respekt, der uns sehr stolz macht.

Worin besteht dieses Konzept, das die Jury als »einmalig« in der deutschen Verlagslandschaft bezeichnete?
Schon als Studenten haben wir Spoken-Word-Lyriker wie Nora Gomringer und Bas Böttcher kennengelernt, Autoren, für die das Schreiben und das Vorlesen zusammengehören. Für uns war klar: Wenn wir die Texte dieser Autoren publizieren, dann auch zum Hören. Für viele in der Buchbranche ist diese Kombination eine neue Form von Literaturvermittlung.

Vor etwa zehn Jahren boomte die Live-Literatur. Wie hat sie sich seitdem entwickelt?
Der mediale Hype, den es damals gab, ist abgeklungen. Aber als Veranstaltungsformat sind Lesebühnen und Poetry Slams Teil einer urbanen Kultur geworden. Dieses Format hat die Literatur insofern verändert, als dass Lesungen allgemein professioneller geworden sind. Es spricht für einen Autor, wenn er sein Publikum involviert, wenn er es fesseln kann. An den Schreibschulen gibt es dazu mittlerweile Kurse.

Besteht diese Szene noch immer aus den Protagonisten der Anfangszeit?
Die Szene lebt vor allem vom Nachwuchs. Wladimir Kaminer, einer der erfolgreichsten Autoren, der aus dieser Szene kommt, macht heute eher anderes. Gerade im Poetry Slam fangen 18-, 19-, 20-Jährige an, die sich vielleicht zehn Jahre später in eine ganz andere Richtung entwickeln. Das ist ein Format, in dem sich Leute ausprobieren können. Im besten Falle schaffen sie den Sprung in den Literaturmarkt.

Sie gründeten Ihren Verlag im Jahr 2004, obwohl der Markt satt scheint und ein neuer Verlag wenig Perspektive hat. Was hat Sie zu dieser mutigen Entscheidung veranlasst?
Es war die Überzeugung für unsere Idee. Nach dem Ende unseres Studiums der Buchhandel- und Verlagswirtschaft hatten wir auf der einen Seite das Know How, andererseits kannten wir durch die Veranstaltungen die Autoren, auf die es uns ankam. Schließlich kommt eine Portion Naivität dazu: Dass es schwerer wurde, als erwartet, das muss man zugeben. Um leben zu können, brauchten wir immer Nebenjobs, das hört jetzt erst langsam auf.

In der Begründung der Jury wurde auch der buchkünstlerische Aspekt Ihrer Publikationen erwähnt. Welchen Stellenwert hat das Layout?
Es war von Beginn an unser Anliegen, dass die Bücher auch gut aussehen, dass sie uns gefallen sollen. Unsere Generation ist sehr durch Popkultur geprägt, durch Magazine, Flyer, Clubkultur. Jedes unserer Buchcover ist individuell gestaltet, in jedem stecken die Mühe und das Herzblut unserer Grafiker.

Welche Rolle spielt, über den Förderpreis hinaus, die Kurt-Wolff-Stifung für junge Verlage wie Ihren?
Wenn man einen unabhängigen Verlag betreibt, stößt man sehr schnell auf diese Stiftung. Sie ist eine Art Verband, der unsere Interessen nach außen vertritt. In ihr engagieren sich Verleger, die größtenteils 20, 30 Jahre länger im Geschäft sind als wir. Für uns sind das auch Vorbilder, die viel Erfahrung mitbringen, von der wir profitieren können.

Unabhängigen Verlage verbindet die Idee, aus Enthusiasmus und ohne sich an die Riesen des Marktes zu verkaufen, Bücher zu machen. Ein Übervater dieser Idee in der deutschen Verlagslandschaft ist Klaus Wagenbach, der in diesem Jahr den Hauptpreis der Kurt-Wolff-Stiftung erhalten hat. Ist er ein Vorbild?
Definitiv – als Mensch und als Verleger. Wagenbach ist so ein knorriger, unangepasster Geist. Dass wir auch so wären, will ich gar nicht in Anspruch nehmen. Aber aus unserer Arbeit heraus kann ich einschätzen, was es für eine Riesenleistung ist, einen Verlag über 40 Jahre unabhängig am Leben zu erhalten. Dass Wagenbach darüber hinaus großen Einfluss auf die Kultur dieses Landes hatte, ist bewundernswert.

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