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Bewegender Moment

Bayerisches Mittenwald weiht Denkmal ein

  • Von Fred König, Mittenwald
  • Lesedauer: 3 Min.
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Im oberbayerischen Mittenwald ist am Sonntag ein Mahnmal gegen die Kriegsverbrechen von Gebirgsjägern der Wehrmacht eingeweiht worden.

Maurice Cling ist eine würdevolle Erscheinung, wie er da vorne steht und von dem alles entscheidenden Wendepunkt seines Lebens erzählt, dem Tag, als ihn amerikanische Soldaten aus den Händen der Deutschen befreiten – in Mittenwald. In dem bayerischen Ort, wo er 65 Jahre später am Rednerpult steht, um die offizielle Einweihung eines Denkmales für die Opfer der NS-Gebirgstruppe zu feiern, gegen das man sich hier am Fuße des Karwendels seit acht Jahren mit Händen und Füßen gewehrt hatte.

Als Cling mit erstickter Stimme von seinem Leidensweg als 15-jähriger jüdischer Junge über Auschwitz und Dachau bis zum Todesmarsch erzählt, stockt den rund 200 Zuhörern in der Aula der Mittenwalder Volksschule der Atem. »Ich hatte die ganze Zeit Todesangst, noch in den letzten Tagen des ›Dritten Reichs‹ zu sterben«, schildert Cling, der als typhusgeschwächte Elendsgestalt hier ankam, die letzten Stunden vor seiner Befreiung. Eine Mittenwalderin habe ihm zwei rohe Kartoffeln zugesteckt, erinnert sich Cling an den einzigen Moment der Menschlichkeit damals und kämpft mit den Tränen, während ihnen im Saal bei einigen freier Lauf gelassen wird.

Dieser erschütternde Moment mag als Schlusspunkt der Kampagne einiger hundert Antifaschisten rund um den Arbeitskreis Angreifbare Traditionspflege (AK) gewertet werden, die sich gegen die jährliche Feier des Kameradenkreises der Gebirgsjäger am Hohen Brendten richtete und acht Jahre auf große Feindseligkeit im beschaulichen Gebirgsort traf.

Während der Einweihungsfeier am Sonntag bekannte sich Mittenwald zur historischen Verantwortung und erkannte – in Anwesenheit einer uniformierten Abordnung der lokalen Bundeswehr-Gebirgstruppe – das Leiden der Opfer und die Verbrechen der NS-Gebirgstruppe an. Selbst Vertreter des Kameradenkreises waren zugegen. Diese sahen sich aber nach Ansprachen des Garmisch-Partenkirchener Landrats, einer Vertreterin der italienischen, 1944 von einem Massaker Mittenwalder Gebirgsjäger betroffenen Gemeinde Cortona und Maurice Clings beim Redebeitrag des AK zum ostentativen Verlassen der Veranstaltung veranlasst. Fritz Burschel verdeutliche für den AK, welche Dimensionen die Verbrechen der Wehrmacht und insbesondere der NS-Gebirgsjäger hatten. Ihre »mörderische Tradition« sei hier über 50 Jahre lang unhinterfragt zelebriert und ungebrochen an die nachfolgende bundesrepublikanische Truppe weitergegeben worden.

Bürgermeister Adolf Hornsteiner (CSU), dessen Verdienst es zweifellos ist, dass die Schenkung des Denkmals (Foto: dpa) angenommen wurde, zeigte sich enttäuscht, dass der AK die ausgestreckte Hand der Versöhnung nicht ergreife und stattdessen zu lesen gewesen sei, man habe Mittenwald mit dem Denkmal einen »Stachel ins Fleisch gesetzt« (ND, 17.3.2010). Er wandte sich gegen weitere »Krawallmacherei«, rief aber unter Berufung auf die freiheitlich demokratische Grundordnung auf, der Opfer zu gedenken, damit »so etwas nie wieder geschieht«. Bei der ökumenischen Weihe des Denkmals bedankten sich die beiden Geistlichen beim AK dafür, dass er den Mittenwaldern die Augen geöffnet und »Nachhilfe« in Geschichte gegeben habe. Angehörige und Sympathisanten des AK sinnierten auf ihren Heimweg darüber, wann sie wohl mal wieder nach Mittenwald kommen würden.

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