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Hochsicherheit mit grüner Lunge

Richtfest für die neue BND-Zentrale in Mitte / Bauverzögerungen und höhere Kosten

Die Baustelle im Überblick
Die Baustelle im Überblick

Die Mauern markieren die Konturen der neuen BND-Zentrale an der Berliner Chausseestraße, wo sich einst das Stadion der Weltjugend befand. Überall Gerüste, von denen aus man Fassadenteile montiert. Schritt für Schritt werden die 14 000 Fenster für 2800 Diensträume eingesetzt. Zeitweilig arbeiteten hier 22 Kräne, um auf dem Zehn-Hektar-Gelände den Geheimdienst-Komplex zu errichten – ein 260 000 Quadratmeter großes Hauptgebäude, eine Technik- und Logistikzentrale, Agentenschule, Internat, Besucherzentrum samt Shop und Parkhaus.

Am heutigen Donnerstag werden 1600 handverlesene Gäste dem Richtfest einen üppig-würdevollen Rahmen geben – im sogenannten zentralen Hauptbaukörper, 30 Meter hoch, 150 breit, 280 lang. Schließlich sollen an diesem Orte dereinst 4000 BND-Leute ihren Dienst verrichten.

Ob zugleich 1000 Mitarbeiter auf Dauer im bisherigen Standort Pullach nahe München verbleiben oder nach Berlin ziehen, blieb bisher ähnlich wie der unvollendete Regierungsumzug von Bonn nach Berlin umstritten. CSU-Ministerpräsident Horst Seehofer erklärte noch vor wenigen Wochen auf eine FDP-Forderung nach einer Komplettlösung zugunsten der Bundeshauptstadt, Bayern bleibe beinhart bei dem 2006 verabredeten Verfahren.

Fest steht, dass beim heutigen Akt ähnlich wie zum Spatenstich 2006 und zur Grundsteinlegung 2008 der Himmel beschworen und gute Worte auf den weiteren Weg gegeben werden. »Dem Vorhaben Gottes Segen«, hieß es dereinst, man wünsche dem Projekt »einen termin- und kostengerechten Verlauf«. Zumindest letzteres hat sich nicht erfüllt. Der Umzug dürfte sich laut Bundesamt für Bauwesen um ein Jahr auf irgendwann 2014 verzögern. Schuld soll das schlechte Wetter dieses Winters sein. Auch die Kosten steigen um 70 Millionen auf 790 Millionen Euro. Dafür würden die höhere Mehrwertsteuer und die Agentenschule verantwortlich sein, in die jetzt auch noch der Verfassungsschutz aufgenommen wird.

Weil man denkt, dass die neue BND-Zentrale allerhand Begehrlichkeiten bei Freund und Feind weckt, wird die Baustelle scharf überwacht. Nächtens gibt es keinen Winkel, der nicht mit grellen Scheinwerfern ausgeleuchtet würde. Baufahrzeuge wurden untersucht wie ein Fahrzeug im Grenzland, das des Drogentransportes verdächtig ist. Ein 2000 Meter langer nicht durchschaubarer Zaun in Übermanns-Höhe verdeckt, was drinnen geschieht. Und obgleich schon vor Jahren versichert wurde, dass kein Ausländer den geheimen Grund betreten dürfe, werden jetzt Bauleute aus Weißrussland und der Ukraine beschäftigt, um Planungsrückstände aufzuholen. Nun fürchtet man, dass Wanzen versteckt werden könnten, wie »Focus« berichtete. Spötter meinen, es seien deshalb jetzt mehr BND-Detektive vor Ort als Bauleute.

Als Ausgleich für ihren »Landraub« wird die Bundesregierung für zwei Millionen Euro einen 2,5 Hektar großen öffentlichen Park entlang der BND-Zentrale finanzieren. Dabei soll die Panke renaturiert werden. Die Arbeiten werden laut Senatsverwaltung für Stadtentwicklung im Sommer beginnen und das Projekt wohl zugleich mit den BND-Gebäuden übergeben. Hier erholen sich fortan Geheimdienstleute, Mitarbeiter und Patienten des nahen Bundeswehrkrankenhauses, auch gemeine Bürger. Der Park strahle »angemessene Urbanität aus und bietet dennoch eine poetisch grüne Lunge im Stadtgeflecht«, so die Jury zum Siegerentwurf der Ausschreibung.

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