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Von Frauen, Männern und Wegen zum Frieden

Zehn Jahre UNO-Resolution 1325 über Frauen in bewaffneten Konflikten – eine Konferenz zieht Bilanz

Die UNO-Sicherheitsrats-Resolution 1325 zu Frauen in bewaffneten Konflikten ist in Deutschland wenig bekannt. Vor zehn Jahren wurde sie verabschiedet. Zum Jahrestag veranstaltete jetzt das Ost-West-Europäische Frauennetzwerk OWEN eine Konferenz. Dabei zeigte sich nicht nur, was die Umsetzung der Resolution in Konfliktregionen bedeutet, sondern auch, wie viel wir von Friedensfachkräften in Ostafrika, Nahost oder auf dem Balkan lernen können.

»Padare« heißt der traditionelle Weg der Entscheidungsfindung in Simbabwe: Männer sitzen zusammen und entscheiden, unter Ausschluss von Frauen, im Namen von Frauen, oft im Interesse von Männern. Padare heißt auch die Organisation, die ihr Vertreter Jonah Gokova als »antisexistische Bewegung von Männern« bezeichnet. Auch für sie gilt: Frauen müssen draußen bleiben. »Wenn es um das Thema Geschlecht geht, müssen wir unter uns sprechen, weil sonst das Thema sofort an die Frau im Raum verwiesen wird«, erklärt Gokova. Dabei gehe es vor allem darum, wie man ein »echter Mann« wird. Er breitet ein T-Shirt aus, auf dem steht: »Real men don’t abuse women and children«, übersetzt etwa: »Echte Männer missbrauchen weder Frauen noch Kinder.«

Teil des Problems ...

Einfach sei es nicht, damit auf die Straße zu gehen, sagt Gokova. Einfach ist es auch nicht, in Schulen oder mit männlichen Führungskräften über Männlichkeitsvorstellungen zu sprechen. Padare tut dies bereits in 18 simbabwischen Städten. Die Gruppen umfassen bis zu 60 Männer, fast alle ehrenamtlich. »Männer sind Teil des Problems«, sagt Gokova, »deshalb müssen sie auch Teil der Lösung sein.«

Gal Harmat arbeitet beim Zentrum für Kritische Feministische Pädagogik in Tel Aviv. Studierende vor allem pädagogischer Fächer lernen dort, die Themen Frieden und Geschlecht nicht isoliert zu betrachten, sondern sie in alle Lebensbereiche und auch die verschiedenen Unterrichtsfächer einzubringen. Der erste Schritt, erzählt Gal Harmat, sei, dass palästinensische und jüdische Israelis einander in den Kursen persönlich kennenlernen. Israel sei eine vielfältige Gesellschaft, es gehe nie um »den Anderen«, sondern immer um viele Andere. Viele Menschen seien einer mehrfachen Diskriminierung ausgesetzt, arabisch-israelische Frauen beispielsweise. Dabei fällt immer wieder das Schlüsselwort Graswurzelarbeit. Besonders in Nachkriegsgesellschaften müssen Strategien des Friedens auf »Haushaltsniveau« ansetzen.

Darüber berichtet Irene Dawa aus Uganda, die für den Deutschen Entwicklungsdienst arbeitet. Der jahrzehntelange Krieg, in dem Kinder zwangsrekrutiert und viele Frauen vergewaltigt wurden, hat dazu geführt, dass junge Menschen oft nichts gelernt haben als eine Waffe zu halten. Frauen mit ihren Kindern werden von den Männern verlassen oder fürchten mit Grund, dass eine der massenhaft vorhandenen Kleinwaffen bei einem familiären Konflikt gegen sie gerichtet wird.

Friedensstiftung ist hier existenziell mit Arbeit und Einkommen verbunden. So lernen in einem Projekt der UNO-Organisation UNIDO Männer und Frauen das Maurerhandwerk, eine dringend benötigte Fähigkeit und gute Möglichkeit, ihren Unterhalt zu bestreiten. Frauengruppen in Uganda entwickeln aber auch Strategien, wie Frauen traditionelle Strukturen nutzen können, damit Männer sich nicht ihrer Verantwortung für die Familie entziehen. Denn die Erfahrung des Krieges bringt die Frauen dazu, dass sie keine passiven Opfer mehr sein wollen.

Die Botschaft der UNO-Sicherheitsrats-Resolution 1325 ist, dass Frauen Akteurinnen bei der Konflikttransformation sein müssen. Nicht nur weil der humanitäre Schutz von Frauen verbessert werden muss, sondern auch, weil sie besondere Erfahrungen und Fähigkeiten mitbringen.

Einsatz auch »im Feld«

Darum muss der Frauenanteil bei UNO-Friedensmissionen erhöht werden. Und sie müssen auch »im Feld« eingesetzt werden, nicht nur in den Hauptstädten im Büro, wie Comfort Lamptey erklärt, die als Gender Advisor, also als Geschlechterbeauftragte bei der Abteilung »Friedensmissionen« der Vereinten Nationen tätig ist.

Das deutsche Zentrum für Internationalen Friedensdienst entsendet derzeit etwas mehr als ein Drittel Frauen, Tendenz steigend. Ein Aktionsplan, den die Resolution von allen UNO-Mitgliedsstaaten bindend verlangt, steht in Deutschland jedoch aus.

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