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Immer wieder kommt die Flut

Der wirtschaftliche Boom in China wird durch Überschwemmungen und Erdbeben gefährdet

  • Von Hermannus Pfeiffer
  • Lesedauer: 3 Min.

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Chinas Wirtschaft wächst weltweit am schnellsten – und wird immer wieder von Überschwemmungen und Erdbeben erschüttert.

Unübersehbar ragen in China die Zeichen des wirtschaftlichen Aufstiegs in die Höhe: die Skylines der Metropolen. Doch auch im roten Riesenreich wird nicht allein dort gebaut, wo Menschen sicher vor Naturgewalten leben können.

In Shanghai war der Stadtteil Pudong einst ein unbewohntes sumpfiges Flussdelta. Heute ist das Areal ähnlich dicht bebaut wie Manhattan in New York. Der Bauboom wirft Probleme auf: So drückt das Gewicht der Gebäude wie bei einem Schwamm das Wasser aus dem Untergrund. Gleichzeitig führt die Entnahme von Grundwasser zur sogenannten Bodenkompaktion, der Erdboden wird zusammengedrückt. Dadurch senkt sich das Gelände und die Gefahr von Überflutungen nimmt zu. Wie an anderen Küsten der Welt könnte ein durch den Klimawandel steigender Meeresspiegel diese Bedrohung noch verschärfen.

Auch in Chinas Binnenland muss man ständig mit Überflutungen rechnen. Am Mittel- und Unterlauf des längsten Stroms, dem Jangtse, drohen jeden Sommer schwere Überschwemmungen. Östlich der tibetischen Landstufe verläuft das Umland des Jangtse flach wie ein Brett. Der Höhenunterschied beträgt auf einer Flusslänge von 1500 Kilometern kaum merkliche hundert Meter. Auch der »Gelbe Fluss« Huang He, der seine Färbung den mitgeführten Sedimenten verdankt, birgt Gefahren. Die Deiche mussten wegen der Sedimentablagerungen laufend erhöht werden: Inzwischen liegt die Flusssohle an manchen Stellen zwölf Meter über dem sie umgebenden Gelände.

Die Bebauung dafür ungeeigneter Flächen macht Naturereignisse erst zu einer Katastrophe. Heute ist es am Ufer von Chinas unkontrollierbaren Flüssen durch die hohe Bevölkerungsdichte nahezu unmöglich, die Besiedlung gefährdeter Überflutungsgebiete einzuschränken. Dadurch haben jedoch in den vergangenen Dekaden die Schäden für Mensch und Gebäude dramatisch zugenommen.

Westliche Versicherer haben die Volksrepublik seit einiger Zeit im Visier. Noch ist der Markt kleiner als der in Frankreich oder Großbritannien. Der Bedarf scheint jedoch riesengroß: Die zehn schlimmsten Fluten seit 1980 bringen es laut Münchner Rück auf eine Schadensumme von umgerechnet mehr als 135 Milliarden US-Dollar. Der Anteil der versicherten Schäden war mit ein bis zwei Prozent minimal.

Noch größere Schäden verursachen Erdbeben: Vier der zehn global tödlichsten Beben ereigneten sich im dicht bevölkerten Osten Chinas. Die Ostküste liegt zwar nicht unmittelbar an einer großen tektonischen Plattengrenze, doch zahlreiche Verwerfungen zwischen mehreren kleinen Krustenblöcken lösen zwar selten, aber dafür dann sehr heftige Erdstöße aus.

Am stärksten ausgeprägt ist die Erdbebengefahr im Westen Chinas. Dort hat der Einfluss der Kollisionszone des Himalajagebirges katastrophale Beben zur Folge. Wie etwa in der Provinz Sichuan, wo das Beben vom 12. Mai 2008 mit einer Magnitude von 8 zu den stärksten je registrierten Erschütterungen zählt. Mehr als 84 000 Menschen kamen bei dieser Naturkatastrophe ums Leben. Außerdem wurden über fünf Millionen Häuser zerstört und 21 Millionen schwer beschädigt.

Seit dem verheerenden Sichuan-Beben ist das Erdbebenrisiko zu einem politischen Thema geworden. Der Staat treibt nun die Entwicklung spezieller Versicherungslösungen voran. Im Rahmen eines Projektes, in das auch die Münchner Rückversicherung eingebunden ist, will die Regierung in Peking ein »Erdbebendeckungskonzept« auf die Beine stellen. Der deutsche Versicherungskonzern strebt eine Pflichtversicherung für alle Hauseigentümer an.

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