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Unterricht für Aids-Waisen

Leipziger Studentin lehrt Englisch in Äthiopien

  • Von Phillip Hedemann, dpa
  • Lesedauer: 2 Min.

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Offiziellen Statistiken zufolge waren 2006/07 etwa 2,1 Prozent der äthiopischen Bevölkerung mit dem HI-Virus infiziert, die Dunkelziffer dürfte weit höher sein. Die Organisation »Maedot« versucht, Betroffenen zu helfen.

Addis Abeba/Leipzig. Als Carmen Krebs das Klassenzimmer betritt, springen 35 Jungs und Mädchen im Alter von 6 bis 14 Jahren auf und strahlen die Leipzigerin an. »Good morning, Carmen!«, rufen sie im Chor. Viele der Kinder im Slum Addis Ketema sind Aids-Waisen. Als Ehrenamtliche der äthiopischen Hilfsorganisation »Maedot« (Brücke) versucht die 22-jährige Afrikanistik-Studentin in ihren Ferien, Kindern zu helfen.

»Manche Schüler sind schon als Kinder vergewaltigt worden, einige sind HIV positiv. Aber ich möchte gar nicht wissen, wer es ist, sonst würde ich sie vielleicht unbewusst anders behandeln«, erzählt Carmen Krebs. Als die Schwester ihrer äthiopischen Mutter im vergangenen Herbst starb, kam die in Rudolstadt (Thüringen) aufgewachsene Halbäthiopierin zum ersten Mal ins Land ihrer Mutter.

Die Armut schockierte die Studentin, sie beschloss zu helfen. Nun arbeitet sie ehrenamtlich in der Hilfsorganisation, die ihre Cousine Gennet Mengistu vor zehn Jahren gründete. Die kleine äthiopische Stiftung kümmert sich um 9400 Kinder in ganz Äthiopien. 220 von ihnen gehen zur Schule, an der Carmen unterrichtet. Dort bekommen sie einmal am Tag das traditionelle äthiopische Fladenbrot Injera mit Gemüse und Soße – oft die einzige Mahlzeit am Tag.

Die deutsche Welthungerhilfe und die Europäische Kommission gaben »Maedot« Starthilfe, mittlerweile kommen die meisten Spenden von europäischen Botschaften in Addis Abeba. »Der einzige Weg, der aus der Armut und aus dem Slum führen kann, ist Bildung«, sagt Mengistu. »Doch die Kinder sind so arm, dass sie das Schulgeld an staatlichen Schulen nicht zahlen könnten. Bei uns ist der Unterricht kostenlos.« Als ehrenamtliche Englischlehrerin bringt Carmen Krebs den Kindern unterdessen englische Obst- und Gemüse-Namen bei. Die Früchte, die sie in die Höhe hält, hat sie auf dem Markt besorgt. Eigentlich ist die Schulstunde längst zu Ende, doch die Kinder brüllen immer noch begeistert »Wa-ter-me-lon« und »Ba-na-na«, schreiben die neu gelernten Wörter mit krakeliger Schrift in ihre Hefte. »Die Kinder lernen so begeistert, dass wir meist gar nicht merken, wann die Stunde zu Ende ist«, sagt die Studentin.

Der freiwillige Einsatz ist allerdings nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Wenn die Studentin nach Ostern wieder im Hörsaal in Leipzig sitzt, wird im größten Slum Addis Abebas weiterhin jedes dritte Kind nicht zur Schule gehen können – und betteln oder arbeiten, um zu überleben.

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