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Im Bunker der kleinen Dienstgrade

Rundgang im einstigen NVA-Nachrichtenknoten »Objekt 448« alias »Wetterbeobachtungsstation«

Brandenburg: Im Bunker der kleinen Dienstgrade

Weder nach einem Bunker noch nach einer Wetterstation, wie einer der Tarnnamen lautete, sieht es hier auf den ersten Blick aus. Das »Objekt 448« diente einst als unterirdischer Nachrichtenknoten, der die Hauptführungsstelle des DDR-Verteidigungsministeriums mit jedem Winkel des Landes verbinden konnte – egal, ob zu einer stationären oder zu einer mobilen Anlage. Bis vor kurzem noch breitete sich an der ausgedehnten Sandgrube am Kunersdorfer Rüsterbusch eine Straußenfarm aus. Derzeit meckert und mampft hier nur noch eine mittelgroße Zickenherde vor sich hin.

Lediglich ein Hügel und seine vor Draufsichten aus der Luft mit Dächern getarnten Lüftungsrohre deuten darauf hin, dass sich auf dem Gelände ein militärisches Objekt befinden könnte. Das gilt auch für den in gleicher Weise gedeckten betonierten Schacht, in dem – einstmals und wohl auch einmalig in der DDR – zu Erprobungszwecken ein riesiges Feuer entfacht wurde. Man wollte testen, ob die eingebauten Kühlsysteme bei extremer Hitzebelastung der Außenluft den Weiterbetrieb eines Dieselaggregates tatsächlich ermöglichen. Es klappte. Die Besatzung registrierte während des Probebetriebs kaum signifikante Temperaturanstiege.

Mitten in der zentral gelegenen Baracke, die nach 1990 auch als Asylbewerberheim benutzt wurde, befinden sich der Hauptzugang und die üblichen stählernen Schleusen hinunter in den Bau, der aus zwei Etagen besteht. Unter dieser Treppe zeigt Bunkerexperte Paul Bergner einen Innenbrunnen.

Kunersdorf, das war der Bunker der kleineren Dienstgrade. 80 untere Chargen, zumeist gut ausgebildete Nachrichtentechniker, agierten hier unter dem Befehl eines Oberstleutnants bis 1991, als die Leitungen nach knapp zehnjährigem ständigem Betrieb gekappt wurden. Wie der Chef Nachrichten der NVA, Generalleutnant Walter Paduch, erläuterte, zählte die Funksendezentrale 448 zu den modernsten Anlagen, die es auf diesem Gebiet gab. »Sie war zur Erschwerung der Funkaufklärung und Erhöhung der Standhaftigkeit der Funkverbindungen dezentralisiert auf einem Areal von über 450 Quadratkilometern entfaltet.«

Bergner schildert in seinem Buch »Atombunker. Kalter Krieg. Programm Delphin«, dass insgesamt elf unbemannte bis zu 25 Kilometer voneinander abgesetzte Sendestellen in unterirdischen Stahlkesseln stationiert waren – die sogenannten Sputniks – bestückt mit verschiedenen Sendern und nur schwierig aufzuklärenden Erdantennen. Dies alles ist heute noch zu sehen oder zu erahnen. Auch die dicken Schiffsdiesel mit ihren Generatoren, die bei Stromausfall den Bunker autonom versorgen konnten.

Der Förderverein Rüsterbusch Kunersdorf bemüht sich, den Bunker in einem einigermaßen akzeptablen Zustand zu erhalten und Besuchern zugänglich zu machen. Man sieht in dem unterirdischen Objekt ein Stück DDR-Geschichte und damit »ein Denkmal des Kalten Krieges«. Zugleich sollen die reifen technischen Leistungen deutlich werden, heißt es. Am 17. und 18. April wird es jeweils zwischen 8 und 16 Uhr Begehungen des ehemaligen Führungsbunkers Biesenthal des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit auf dem Gelände der Bio-Power GmbH geben. Es ist ein Kostenbeitrag von 14 Euro zu entrichten. Mit der Eintrittskarte können an den gleichen Tagen auch die Bunker Harnekop des DDR-Verteidigungsministers bei Prötzel und die NVA-Funksendestelle bei Kunersdorf besichtigt werden.

www.ddr-bunker.de

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