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Ostern auf der Schlossinsel

Am Ufer der Dahme werden in einer Ausstellung Schätze aus vergangenen Zeiten präsentiert

  • Von Barbara Staacke
  • Lesedauer: 4 Min.

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Aufgeräumt in die Saison – die Köpenicker Schlossinsel ND-
Aufgeräumt in die Saison – die Köpenicker Schlossinsel ND-

Den schönsten Blick auf Köpenicks barockes Schlösschen, das sich in der Dahme spiegelt, hat der Betrachter von der Langen Brücke aus. Nur ein paar Schritte sind es über den kleinen hölzernen Steg, der die Altstadt mit der Insel verbindet. Schon lässt man den Verkehrslärm hinter sich und taucht in eine mehr als tausendjährige Geschichte. Aber auch unsere Vorfahren aus der Steinzeit wussten schon die herrliche Lage zu schätzen, wie Grabfunde belegen.

Überdies hat das Terrain noch einiges mehr zu bieten: Architektur, Kunst und Kultur. Dies eingerahmt in ein Parkidyll. Kein Wunder, dass die Anlage zu den beliebtesten Ausflugszielen in der Region gehört. So nutzten zahlreiche Besucher Ostern die Gelegenheit, Mozartklängen im Aurorasaal zu lauschen oder das einstige hochherrschaftliche Anwesen zu erkunden.

Durch zwei Torhäuser, die wie der Palast und die als Konzertsaal dienende Kapelle vis-à-vis seit 2004 im neuen Glanz erstrahlen, gelangt der Gast in den Hof. Ein Rundweg lädt zum Flanieren ein. Hier und da schmücken bunte Tupfer die Landschaft. Zart rosa blüht der Schneeballstrauch und Blaustern breitet sich auf der Wiese aus. Am östlichen Ufer zeigen die Mahonien schon gelbe Knospen. In der Bucht selbst tat sich der Winter schwer, dem Frühling Platz zu machen.

»Seit zwei Wochen ist der Fluss endlich eisfrei«, atmet Elektrobootverleiher Hans Melitzke erleichtert auf. Dort, wo sich heute die Solartankstelle befindet, warfen während einer Hungersnot nach dem Dreißigjährigen Krieg Fischerfrauen nachts die Netze aus und überraschten nach der Legende ihre ahnungslosen Männer am Morgen mit reicher Ausbeute. Der Name »Frauentog« erinnert an diesen ungewöhnlichen Fischzug.

An warmen Tagen lässt sich das Treiben der Boote auf dem Fluss von der Terrasse des Schlosscafés beobachten. Doch der Park ist nicht nur Schauplatz für Schiffe. Gleich eine ganze Kollektion an Plastiken erfreut den Spaziergänger. So zieren vor der Schlosskulisse Walter Lerches »Kinder mit Schildkröte« den Park. Ein Stück weiter ist die vor allem bei Kindern für Kletterübungen beliebte bronzene Giraffenmutter mit Kind von Hans Henning zu entdecken, und am Westufer hat Hermann-Joachim Pagels frecher »Hühnerdieb« seinen angestammten Platz.

Unter alten Weiden, Kiefern und Mammutbäumen lässt es sich auch bei Hitze auf der Insel aushalten. Zudem sind seltene Exemplare wie Schwarznuss, Blutbuche oder Flatterulme zu bewundern. Letztere, am Westufer der Dahme zu finden, hat mit biblischem Alter von 350 Jahren schon viel Prominenz unter ihrem Blätterdach gesehen. So anno 1712, als im einstigen Barockgarten eine zehn Meter hohe Aloe blühte. Auch Zar Peter der Große soll das Prachtexemplar gebührend bestaunt haben. Ein Kupferstich im Souterrain des Schlosses vermittelt einen Eindruck vom Ausmaß dieser Pflanze. Das botanische Wunder hat sich in den nachfolgenden 300 Jahren offenbar nicht wiederholt.

Nur wenige Ausflügler wissen, auf welch geschichtsträchtigem Boden sie wandeln. Schon Sammler und Jäger siedelten hier unmittelbar am Zusammenfluss von Dahme und Spree. Erste Burganlagen wurden bereits im 8. und 9. Jahrhundert von den slawischen Wenden errichtet. Das stellten Archäologen fest, nachdem sie bei der Sanierung des Schlosses den Baugrund freilegten. Zudem stießen sie auf Reste einer mittelalterlichen Festung. Auf deren Fundamenten ließ Kurfürst Joachim II. um 1560 ein Jagdschloss im Stil der Renaissance errichten. Diese sensationelle Erkenntnis brachten ausgegrabene Fragmente eines Eckturms aus jener Epoche zutage. Nur 120 Jahre später wurde das Gebäude unter dem Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm durch den heutigen Barockbau ersetzt. Als letzter Herrscher aus dem Haus Hohenzollern residierte dessen Sohn, Preußenkönig Friedrich I., auf der Insel.

Für Friedrich den Großen dürfte dieser Ort allerdings zeitlebens kaum in erfreulicher Erinnerung gewesen sein: Tagte hier doch 1730 das Kriegsgericht, nachdem seine Flucht nach England gescheitert war. Weil sich der Rat weigerten, den Thronfolger zu verurteilen, entging er dem vom Vater geforderten Tod. Am Ende musste Leutnant von Katte seine Treue zum Kronprinzen in Küstrin mit dem Leben bezahlen.

Seit 1963 ist das Gebäude Domizil des Köpenicker Kunstgewerbemuseums. Zu sehen sind Kostbarkeiten, die einmalig in der Welt sein dürften. Zu den Glanzstücken gehört das Silberbüfett aus der Schatztruhe der Hohenzollern. Der mit üppigem Stuck verzierte Wappensaal, der selbige, in dem einst das Schwert des Damokles über dem jungen Friedrich schwebte, zählt zu den schönsten Sälen.

Über das Schloss, dessen Bau- und Siedlungsgeschichte informiert eine Dauerausstellung: Geöffnet ist donnerstags bis sonntags, 10 bis 17 Uhr. Der Eintritt beträgt 4, ermäßigt 2 Euro. Tel. 65 66 17 49

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