Werbung

Äußerungen Sodanos in der Kritik

Jüdische Gemeinden: Gefährlicher Vergleich

Rom (epd/AFP/ND). Die jüdischen Gemeinden in Italien haben den Vergleich des Kardinalsdekans Angelo Sodano zwischen Kritik an Papst Benedikt XVI. wegen Missbrauchsskandalen und am umstrittenen Papst Pius XII. in der NS-Zeit gerügt. Es handle sich dabei um »gefährliche und irreführende historische Parallelen«, sagte der Präsident der Vereinigung jüdischer Gemeinden in Italien, Renzo Gattegna, der Tageszeitung »Corriere della Sera«. Sodano hatte Kritik am Umgang von Benedikt mit sexuellem Missbrauch durch Kleriker in die Nähe von Vorwürfen gegen Pius XII. gerückt, der wegen seines Schweigen zum Holocaust kritisiert wird. Im Zusammenhang mit den Missbrauchsskandalen werde Benedikt wegen seines Eintretens für christliche Werte angegriffen, meinte Sodano.

Gattegna bekräftigte das Interesse der jüdischen Gemeinden an einem »Klima der Zusammenarbeit und des konstruktiven Dialogs« mit der katholischen Kirche. Ohne Sodano ausdrücklich zu erwähnen, warnte er vor Erklärungen, die den Dialog erschweren.

Der Erzbischof von Santiago de Chile, Kardinal Francisco Javier Errázuriz Ossa, verteidigte unterdessen Benedikt. Papst-Kritikern gehe es darum, »auf ungerechtfertigte, ungerechte und tückische Weise seine moralische Autorität zu untergraben«. Der Kardinal zog in einer von der Vatikanzeitung »Osservatore Romano« veröffentlichten Solidaritätsadresse eine Parallele zwischen Angriffen auf Benedikt und dem »ungerechten, diffamierenden und grausamen Prozess, dem Jesus Christus unterzogen wurde, um seine Gegenwart und sein Erbe auszulöschen«.

Benedikt XVI. empfindet nach den Worten seines Kardinalstaatssekretärs Tarcisio Bertone »großen Schmerz« angesichts der in den vergangenen Monaten bekannt gewordenen Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche. Der Heilige Vater habe »sehr gelitten« wegen »dieser Priester, die ihrer eigenen Berufung und Mission untreu geworden sind«, sagte Bertone laut Medienberichten.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Als unabhängige linke Journalist*innen stellen wir unsere Artikel jeden Tag mehr als 25.000 digitalen Leser*innen bereit. Die meisten Artikel können Sie frei aufrufen, wir verzichten teilweise auf eine Bezahlschranke. Bereits jetzt zahlen 2.600 Digitalabonnent*innen und hunderte Online-Leser*innen.

Das ist gut, aber da geht noch mehr!

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen und noch besser zu werden! Jetzt mit wenigen Klicks beitragen!  

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!