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Party neben dem Stadion

Ausgesperrte Herthaner sehen Heimspiel auf Leinwand

(dpa). So etwas hat die Bundesliga noch nicht gesehen: Während Hertha BSC am Samstag in einem halb leeren Stadion um das »Wunder von Berlin« kämpfen muss, fiebern die ausgesperrten Fußballfans nur wenige hundert Meter entfernt bei einem gigantischen Public Viewing mit. »Das ist irre und passt zu dieser Saison«, erklärte Manager Michael Preetz zwei Tage vor dem Strafspiel der Berliner gegen den VfB Stuttgart.

Die Anhänger der »Alten Dame« gestalten die DFB-Sanktion für die Randale einiger Hertha-Chaoten nach der Partie am 13. März gegen Nürnberg in ein Happening um: Vor einem Riesenbildschirm in der ans Olympiastadion angrenzenden Waldbühne hoffen bis zu 15 000 Anhänger mit den Berliner Profis. Mit sieben Punkten aus den vergangenen drei Spielen sind Kampfgeist und Zuversicht zurück beim Tabellenletzten. Nach 202 Tagen könnte Hertha die Rote Laterne erstmals wieder abgeben, dazu muss allerdings endlich ein Heimsieg her.

»Der VfB hat einen Lauf, aber auch wir haben zu einer konstanten Form gefunden«, erklärte Friedhelm Funkel, der als Hertha-Trainer noch kein Bundesligaspiel vor heimischer Kulisse gewinnen konnte. »Nur« noch drei Punkte Abstand zum Relegationsplatz 16 gelten als Zusatzmotivation, um gegen das beste Rückrunden-Team den Heimfluch zu bannen. Doch auch die Herthaner haben sich mit 16 Rückrunden-Punkten die Chance auf das Wunder bewahrt. Hertha wird die Jubelchöre in der direkt hinter dem Marathontor gelegenen Waldbühne und im Stadion verschmelzen lassen; vor und möglicherweise auch nach der Partie wird die Waldbühnen-Party auf den Video-Bildschirmen im Stadion zu sehen sein. Auch die 27 Randalierer, die nach der Rasen-Stürmung mit einer dreijährigen bundesweiten Stadionsperre belegt wurden, dürfen auf dem Nebenschauplatz Waldbühne dabei sein. »Sie sind bereit, einen Sozialbeitrag zu leisten, etwa bei Auf- und Abbauten zu helfen«, berichtete Preetz.

Hertha griff die Idee der Fans auf, »weil die meisten Leute völlig unverschuldet ausgeschlossen wurden«, sagte Preetz. Hertha sieht sich durch das Urteil des DFB-Sportgerichts gleich mehrfach bestraft, nimmt es aber sportlich: »Wir wissen, es ist hart. Aber es hätte noch härter kommen können«, sagte Preetz. Der Hauptstadtclub durfte für die Partie gegen den VfB nur 25 000 Tickets an eigene Fans verkaufen, dazu werden rund 3500 Gäste-Anhänger erwartet.

Zudem sind 6000 der größten blau-weißen Stimmungsmacher aus der Ostkurve komplett ausgesperrt, da aus ihren Reihen die 100 bis 150 Innenraum-Stürmer nach dem Spiel gegen Nürnberg kamen. »Der finanzielle Schaden wird sich sicher oberhalb von 500 000 Euro bewegen, da wir gegen den VfB mindestens 60 000 Zuschauer im Stadion gehabt hätten«, sagte Preetz, der auf eine zusätzliche Trotzreaktion der Mannschaft hofft: »Wir müssen sehen, dass wir aus dieser außergewöhnlichen Situation etwas herausziehen – eine Motivation.«

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