Werbung

Das Abgeordnetenbüro des Ministers

Ralf Christoffers will nun in Zepernick ein offenes Ohr für seine Wähler haben

  • Von Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 3 Min.
Zwei Räume bedeuten mehr Platz als früher.
Zwei Räume bedeuten mehr Platz als früher.

In einem alten Haus in Zepernick (Barnim) befindet sich das neue Wahlkreisbüro des Landtagsabgeordneten Ralf Christoffers (LINKE). Gestern eröffnete er es offiziell. Bereits seit 1994 gehört der Politiker dem Parlament an, seit November ist er auch und in erster Linie Wirtschaftsminister. Den Wahlkreis, den er gewonnen hat, will er aber keinesfalls vernachlässigen, sondern in der Gegend, in der er auch wohnt, verankert bleiben.

Im Streit um die Trennung von Amt und Mandat wurde der Minister gedrängt, seinen Sitz im Landtag abzugeben. Die Landtagswahl fand bereits am 27. September statt, aber erst seit drei Wochen kann Wahlkreismitarbeiter Wolfgang Kraffczyk in den neuen Räumen richtig loslegen. Es wirkt so, als habe Christoffers zunächst abgewartet, ob ihn die Linkspartei nicht doch zwingt, sein Mandat niederzulegen.

Doch Kraffczyk winkt ab. Dem sei nicht so. Für den Chef habe immer festgestanden, das er seinen Wählern die Treue halte. Der Mitvertrag für das Büro laufe bereits seit dem 1. Januar. Für die lange Verzögerung sorgten Probleme, einen Telefonanschluss und eine funktionierende Internetverbindung zu erhalten, berichtet der gelernte Wirtschaftsinformatiker, der seine Tätigkeit als Wahlkreismitarbeiter zwischenzeitlich von zu Hause aus erledigen musste.

Christoffers lebt lediglich zwei Kilometer entfernt im Bernauer Ortsteil Schönow. Der Wahlkreis war bereits früher der seinige. Doch 2004 trat er ihn an die damalige Spitzenkandidatin Dagmar Enkelmann ab, die ebenfalls in Bernau wohnt. Christoffers wich aus in einen anderen Wahlkreis und verlegte sein damaliges politisches Quartier von Bernau nach Eberswalde, wo er in einer Bürogemeinschaft mit den Landtagsabgeordneten Margitta Mächtig und Ingeborg Kolodzeike ein kleines Zimmer nutzte. Indem Enkelmann 2005 in den Bundestag wechselte, machte sie Christoffers' alten Wahlkreis frei. Er kehrte zurück. Jedoch nicht nach Bernau, wo die LINKE durch Enkelmanns Büro schon gut vertreten ist, wie Kraffczyk sagt. Stattdessen übernahm der Politiker das ehemalige Ladengeschäft in Zepernick, das zur rund 20 000 Einwohner zählenden Gemeinde Panketal gehört. Zehn Minuten Fußweg entfernt steht der S-Bahnhof und direkt vor der Tür verläuft eine von Pendlern stark befahrenen Straße von Bernau nach Berlin-Buch.

Kraffczyk schaffte den Schreibtisch und die Regale aus Eberswalde herüber und kaufte zusätzlich neue Möbel ein. An die Wand hängte er ein Wahlplakat, auf dem eine rote und noch grüne Tomaten abgebildet sind. Dazu steht: »In der Landwirtschaft geht's um Öko und Gentechnik – aber auch um fairen Handel und gerechte Löhne. Deshalb: Die Zeit ist reif für die LINKE!«

Das ökologisch angehauchte Motiv überrascht ein wenig. Schließlich liegt der Wirtschaftsfachmann Christoffers gerade mit den Umweltexperten unter seinen Genossen zuweilen über Kreuz. Er verärgert aktuell durch sein Eintreten für die umstrittene CCS-Technologie zur unterirdischen Speicherung von Kohlendioxid. Die Technologie gilt als Voraussetzung für die ebenfalls umstrittene Fortführung der Braunkohleverstromung. In diesem Engagement und dem Plakat sieht Kraffczyk aber keinen Widerspruch. Gegensätzliche Ansichten findet er in Ordnung, solange sachlich darüber diskutiert werde.

Mindestens einmal im Monat sollen die Bürger Gelegenheit erhalten, ihren Abgeordneten im Büro anzutreffen. Einen festen Zeitpunkt dafür gibt es allerdings nicht. »Der Terminkalender ist ziemlich voll«, räumt Kraffczyk ein. Schließlich sei Christoffers als Wirtschafts- und Europaminister nicht nur in Brandenburg unterwegs, sondern habe oft in Brüssel zu tun, demnächst reise er sogar in den Nahen Osten. Das Verfassen von Reden gehört nicht zu den Aufgaben des 58-jährigen Wahlkreismitarbeiters. Allerdings offenbar nicht deswegen, weil Christoffers seine Leute dafür im Ministerium hat. Kraffczyk weiß von seinem Vorgänger Lutz Kupitz, der als persönlicher Referent ins Ministerium mitgenommen wurde, dass der auch nie Reden schreiben musste.« Christoffers spricht frei.

Wahlkreisbüro, Zepernick, Alt-Zepernick 19, Mi. und Fr. von 9 bis 13 Uhr, Mo. und Do. von 13 bis 17 Uhr, Tel.: (030) 75 54 11 77, www.ralf-christoffers.de

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Als unabhängige linke Journalist*innen stellen wir unsere Artikel jeden Tag mehr als 25.000 digitalen Leser*innen bereit. Die meisten Artikel können Sie frei aufrufen, wir verzichten teilweise auf eine Bezahlschranke. Bereits jetzt zahlen 2.600 Digitalabonnent*innen und hunderte Online-Leser*innen.

Das ist gut, aber da geht noch mehr!

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen und noch besser zu werden! Jetzt mit wenigen Klicks beitragen!  

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!