Allianzen am und Hindernisse auf dem Brett

Zhezz-Schachvariante von Kenneth JØrgensen bringt mehr Akteure und Stimmung ins Spiel

Die Mattjagd als Hindernisrennen: Das ist das lustige Konzept, mit dem KENNETH JØRGENSEN aus Kopenhagen-Gentofte die Schachwelt noch bunter machen möchte. Sein Zhezz, an dem vier Kandidaten gleichzeitig teilnehmen können, erobert die dritte Dimension und macht zugleich Anleihen beim altindischen Chaturanga sowie dem japanischen Shogi. Mit dem 46-jährigen Spieldesigner und hauptberuflichen IT-Experten sprach ND-Autor RENÉ GRALLA.
Spieldesigner JØrgensen (m.) zeigt's allen.
Spieldesigner JØrgensen (m.) zeigt's allen.
Was unterscheidet Ihr Zhezz von anderen Großschachvarianten?
Jede der vier Parteien hat 20 Figuren. Vor dem ersten Zug verteilen die Spieler maximal zehn Blöcke, die ihnen zur Verfügung stehen, über die zentralen 100 Felder des Brettes, das sich aus insgesamt 264 Quadraten zusammensetzt. Diese Klötze dienen als Befestigungen, die Angriffe erschweren.

Wie werden die Hindernisse überwunden?
Das bleibt allein den Figuren vorbehalten, die springen können, also – nomen est omen – den Springern. Die übrigen Einheiten müssen die Klötze umgehen. Nehmen Sie ein beispielsweise Pferd, das vor einem Quader aus zwei Würfeln steht. Die Viereckflächen, von denen die Seiten eines Kubus definiert werden, zählen für das geplante Manöver mit. Das Pferd setzt an der linken oder rechten Seite des Kastens an, und da der Gaul sich zunächst um ein Feld vorwärts bewegt, kann er dafür auch eines der senkrecht aufgestellten Quadrate der Längsfront wählen.

Zur kombinierten Bewegung des Springers gehört die anschließende Diagonalbewegung, und diese führt den Gaul – wieder um 90 Grad aus der Vertikalen in die Horizontale heruntergedreht – in das übers Eck angrenzende Dachquadrat des Mauerteils.

Dürfen die Barrieren höher als ein Würfel sein?
Ja, und vor denen kapitulieren selbst die Springer. Immerhin habe ich in Zhezz den »Inventor« (»Erfinder«) neu eingeführt, und der hat pro Zug eine deutlich größere Reichweite als das Pferd, nämlich drei Felder vorwärts plus nachfolgend zwei Felder diagonal.

Vier Könige, eine Krone, das erinnert an die indische Schachurform »Chaturanga« ...
... und am Ende gibt es nur einen Gewinner. Sie dürfen zwischenzeitig aber Bündnisse schließen, Sprechen während einer Partie ist erlaubt, etwa um Allianzen zu vereinbaren.

Demnach wird am Brett nicht stur geschwiegen, wie beim Normalschach?
Nein, im Gegenteil: Sie dürfen Ihrem Partner Tipps geben oder Verhandlungen mit der Gegenseite aufnehmen. Das ist wie ein politischer Prozess, und genau das möchte ich im Zhezz auch simulieren.

Und die Zuschauer?
Die sollen sich unbedingt einmischen. Auch jubeln oder pfeifen.

Sie setzen also verstärkt auf Kommunikation zwischen den Beteiligten, seien es die Aktiven am Brett oder das Publikum?
Ja, da ist Dialog und Stimmung gefragt. Stellen Sie sich mal vor, Sie bringen normales Schach zu einer Party mit, der Ruf der Spaßbremse ist Ihnen doch ganz sicher. Mein Zhezz dagegen hat auf Feten Männer wie Frauen begeistert.

Am Ende geht es aber natürlich um das Matt. Wenn Sie einen der drei feindlichen Könige ausschalten, was geschieht mit dessen Armee?
Die wird vom Brett genommen.

Sie haben Sets in verschiedenen Größen entwickelt, bis zu vier Meter im Quadrat. Eines Ihrer Modelle zeigt sogar Stufentribünen für Zuschauer. Eine Vision?
Ich habe Bilder vom jährlichen »Ningen Shogi« zur Kirschblüte in Japan gesehen. Dort versammeln sich Hunderte von Schaulustigen um ein Riesenfeld, auf dem menschliche Darsteller Partien im japanischen Schach inszenieren. Es gibt Shogistadien mit riesigen Torbögen am Eingang, wo Trommler aufmarschieren. Ja, ich träume davon, Zhezz auch einmal im Großmaßstab wie Fußball auszutragen.

Immerhin haben Sie bereits eine Weltmeisterschaft organisiert.
Das war die WM 2009 im vergangenen November in Uetersen bei Hamburg, Kreis Pinneberg. Der amtierende Champion heißt Heiko Roehling.

Weitere Informationen unter:

zhezz.de

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