Erneuerbare mit Potenzial

Milliardeninvestitionen winken, wenn die Politik mitmacht

Branchenvertreter richten einen dringenden Appell an die Bundesregierung: Sie solle den Investitionsschub bei Erneuerbaren nicht ausbremsen.

Die Erneuerbare-Energien-Branche macht der Politik ein Angebot: Wenn die Rahmenbedingungen stimmen, könnten innerhalb der nächsten zehn Jahre 235 Milliarden Euro in den Ausbau umweltfreundlicher Energieerzeugungsanlagen investiert werden. »Damit erhöhen sich Beschäftigung und Wertschöpfung in Deutschland, ohne das Klima zu belasten und Ressourcen zu verschwenden«, erklärte Björn Klusmann, Geschäftsführer des Bundesverbandes Erneuerbare Energie (BEE), am Dienstag auf einer Pressekonferenz in Berlin.

Die Zahlen hat im Auftrag des BEE das Wirtschaftsforschungsunternehmen Prognos in einem Gutachten errechnet, das anlässlich der bevorstehenden Hannover Messe vorgestellt wurde. Demnach könnten sich die Investitionen in die Erneuerbaren bei Strom, Wärme und Kraftstoffen von 13,5 Milliarden Euro in diesem Jahr auf 28,9 Milliarden 2020 mehr als verdoppeln. Diese Summen beinhalten lediglich die Kosten der Errichtung der Anlagen und nicht etwa für den Ausbau von Fabriken, wo diese produziert werden, wie Prognos-Co-Autor Jens Hobohm erläuterte.

Mit 18,5 Milliarden Euro in 2020 wird das Gros der Investitionen weiter im Strombereich fließen. Hier dominieren in den kommenden Jahren noch immer Photovoltaik- und Windenergieanlagen. Im Wärmebereich werden weiterhin Wärmepumpen, Solarthermie und Pelletheizungen dominieren. Im Kraftstoffbereich, der mit 950 Millionen Euro den kleinsten Teil beisteuert, dürften sich die Investitionen weitgehend auf den Bereich Biogas beschränken.

Grundlage der Studie war eine vom BEE vor einigen Monaten veröffentlichte Prognose, wonach sich der Anteil der Erneuerbaren bis 2020 auf rund 47 Prozent erhöhen könnte. Im Wärme- und Verkehrsbereich seien bis dahin Quoten von 25 bzw. 19 Prozent erreichbar. Verbandschef Klusmann rechnet mit einer anhaltenden massiven Zunahme der Beschäftigung auf dann 500 000, womit die Erneuerbaren »andere Schlüsselindustrien wie die Chemiebranche deutlich übertreffen«.

Indes sind die Annahmen mit einem dicken Fragezeichen versehen: Volkswirtschaftlicher Nutzen in der genannten Größenordnung ist nur dann möglich, wenn die Politik mitspielt. Einen Strich durch die Rechnung könnten die schwarz-gelben Pläne zur Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken machen. Geht deren Leistung später als geplant vom Netz, stelle sich für Investoren im Bereich der Erneuerbaren die Frage, ob die zusätzlichen Kapazitäten überhaupt erforderlich seien, so Klusmann. Außerdem werde der notwendige Umbau der Netze zur Integration dezentraler Anlagen behindert. Prognos-Experte Hobohm ist diesbezüglich weniger pessimistisch. Die Einspeisevergütung für Betreiber von Wind- oder Photovoltaikanlagen werde es weiterhin geben. Mit der AKW-Laufzeitverlängerung würden eher konventionelle Großkraftwerke Probleme mit der Wirtschaftlichkeit bekommen, wenn sie nicht mehr ausreichend auf Volllast laufen. Ohnehin sei der Umbau des Energiesystems eher »ein Marathonlauf«.

Auf ein ganz kurzfristiges Problem wies Klusmann hin: Wenn der Haushaltsausschuss des Bundestags kommende Woche nicht die Haushaltssperre für das einzige relevante Förderinstrument im Wärmebereich, das Marktanreizprogramm, aufhebe, drohe ein sofortiger Förderstopp. Dies wäre ein »Armutszeugnis für die deutsche Energie- und Klimapolitik«.

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