Der Saboteur von Sachsenhausen

Der Leipziger Arbeiterjunge Karl Stenzel war elf Jahre in Nazihaft

»Ich habe den Faschisten den Kampf angesagt.«

»Es war eine Hundsgemeinheit«, schimpft Karl Stenzel. »Abseits vom Rathausplatz standen ungefähr 30 Neonazis. Als wir unsere Kundgebung eröffneten, marschierten sie an, begleitet von Polizei. Auf jeden Nazi kam ein Polizist. Kaum hatten wir mit der Verlesung der Namen der jüdischen Opfer in Zossen begonnen, insgesamt 80, fingen die Nazis an zu brüllen: ›Lüge, Lüge‹ und ›Heil Hitler‹. Die Polizei stand daneben, sagte nichts, schritt nicht ein.« Die Empörung sitzt tief. Sie speist sich aus schlimmsten Erfahrungen unter der Nazidiktatur. Elf von zwölf Jahren des »Tausendjährigen Reiches« saß Karl Stenzel, der am 23. April seinen 95. begeht, in faschistischen Gefängnissen und Lagern.

Der Sohn eines Schlossers, der auch Schlosser wird, gehört der Kommunistischen Jugend an. Die Stenzels wohnen in Leipzig-Ost, einem Arbeiterviertel. Kurz vor dem 1. Mai 1933 sucht ihn ein HJ-Führer auf: »Hör mal, zum Tag der Nationa...

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