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Die Unterschätzte vom Grill

  • Von Wilfried Mommert, dpa
  • Lesedauer: 2 Min.

Brigitte Mira war eine der letzten großen Volksschauspielerinnen. Sie gehörte neben Kollegen wie Harald Juhnke, Günter Pfitzmann und Wolfgang Gruner zum »alten West-Berlin« wie der Funkturm und die Gedächtniskirche. Am heutigen Dienstag wäre Mira, die mit Helen Vita und Evelyn Künneke jahrelang zu den »Drei alten Schachteln« auf den Kleinkunstbühnen gehörte, 100 Jahre alt geworden.

Als die in Hamburg geborene »Komische Alte«, wie ihr Charakterfach als Schauspielerin heißt, am 8. März 2005 im Alter von 94 Jahren in ihrer Wahlheimat Berlin starb, trauerten die Hauptstädter vor allem um ihre »Biggy«, um eine ihrer beliebtesten Schauspielerinnen mit Charakter, Herz und »Schnauze«. Auf den Mund gefallen war sie nie. Das zeigte sie auch in der Fernsehserie »Drei Damen vom Grill«.

Jedoch wurde schon seinerzeit leicht vergessen, dass Brigitte Mira mit einigen der bedeutendsten Regisseuren des 20. Jahrhunderts wie Rainer Werner Fassbinder und Peter Zadek für die Kinoleinwand und die Bühne zusammengearbeitet hat. So holte Zadek sie 1972 für seine Fallada-Revue »Kleiner Mann – was nun?« an das Bochumer Schauspielhaus.

Den schauspielerischen Durchbruch schaffte Brigitte Mira aber vor allem mit Hilfe Fassbinders, in dessen TV-Serie »Acht Stunden sind kein Tag« sie im gleichen Jahr eine Rolle übernahm, und vor allem 1973 mit dem Film »Angst essen Seele auf«. Die damals 58-Jährige spielte eine Putzfrau, die sich in einen wesentlich jüngeren marokkanischen Gastarbeiter verliebt. Für ihre Leistung erhielt sie ein Jahr später den Bundesfilmpreis als beste Darstellerin.

Unter Fassbinder drehte sie außerdem 1980 »Berlin Alexanderplatz« und »Lili Marleen«. Später sagte sie: »Wenn dieser Mann noch lebte, hätte ich sicherlich noch ein paar goldene Filmbänder bekommen.« Fassbinder starb am 10. Juni 1982. Ihr Spielfilmdebüt hatte Mira schon 1948 in der »Berliner Ballade« an der Seite von Gert Fröbe.

Im Herbst 2000 wagte sich die 90-Jährige, die fünf Mal verheiratet war, sogar noch einmal im Dauereinsatz auf die Bühne, diesmal als »Die Bettelkönigin von Moabit« im damaligen Berliner Volkstheater Hansa im Stadtteil Moabit.

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