Vom Frühling direkt in den Winter?

Auch Europas Kulturhauptstadt Pécs ist im Sog des ungarischen Rechtsrucks

  • Von Michael Müller, Pécs
  • Lesedauer: ca. 4.5 Min.

Am kommenden Sonntag findet in Ungarn die zweite Runde der Parlamentswahlen statt. Der rigide Rechtsruck, der sich bereits am 11. April vollzogen hat, ist nicht rückgängig zu machen. Vieles läuft darauf hinaus, dass der Bund Junger Demokraten (FIDESZ) sogar noch auf die verfassungsändernde Zweidrittelmehrheit kommt. Die Ungarische Sozialistische Partei (USP) wird die große Wahlverliererin bleiben. Und die rechtspopulistische, nationalistische Jobbik-Partei die Start-up-Wahlgewinnerin. Was aber wird in den Monaten und Jahren danach kommen?

Kunst im freien Raum in der Altstadt von Pécs: Eher Aufbruch oder doch eher Erdbeben vor dem Café Rulett?
Pécs präsentiert sich dieser Tage schon voll im Frühling und dazu voller Leben. Die mit 150 000 Einwohnern größte südungarische Kommune ist neben Istanbul und Essen europäische Kulturhauptstadt 2010. Von 365 Veranstaltungen mit weit über 2000 Programmpunkten schwärmt Marketingdirektorin Zsuzsanna Hegyi. Csaba Ruzsa, der als Direktor die wirtschaftlichen Geschicke lenkt, ergänzt erfolgssicher: »Wir machen hier nicht nur Kultur, sondern schieben die Zukunft einer Stadt und einer ganzen Region an.«

Von 140 Millionen Euro Investitionskosten ist die Rede, von 60 Millionen für die zu 80 Prozent eintrittsfreien Aufführungen, Ausstellungen, Animationen. »Wir wollen Impulse für die ganze Kulturzone Süd setzen«, sagt Ruzsa. Und diese Zone skizziert er von Maribor in Ostslowenien über Osijek in Nordkroatien bis nach Arad in Westrumänien. Gemäß dem Kulturhauptstadtmotto: »Pécs, die grenzenlose Stadt.« Offen für eigenes wie anderes Denken, Handeln,...

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