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»Noch habt Ihr die Wahl«

Kanadischer Gentechnik-Gegner warnt vor Anbau der Amflora-Kartoffel

Schwerin/Zepkow (dpa/ND). Der kanadische Farmer Percy Schmeiser ist bei Biobauern und Gegnern grüner Gentechnik ein Star. Die Bilder, wie er genmanipulierten Raps des US-Saatgut-Konzerns Monsanto Pflanze für Pflanze aus seinem Acker reißt, gingen um die Welt. Zehn Jahre lang war er in eine juristische Schlacht mit Monsanto verwickelt. Er bekam Recht, verlor aber seine in 50 Jahren aufgebaute Raps-Zucht. Derzeit tourt der fast 80-Jährige mit deutschen Wurzeln durch Deutschland – vom hohen Norden bis hinunter nach Bayern. Am Donnerstag fand die Reise einen Höhepunkt, dem der Kanadier mit gemischten Gefühlen entgegengesehen hatte: Er fuhr zum einzigen Feld in Deutschland, auf dem in diesem Jahr kommerziell gentechnisch veränderte Pflanzen wachsen – die Kartoffel Amflora. Die BASF-Tochter Plant Science GmbH mit Sitz im pfälzischen Limburgerhof lässt die nicht für die Ernährung vorgesehene Knolle bei Zepkow im Müritzkreis anbauen.

Am Vorabend hatte Schmeiser auf Einladung des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) gesprochen. »Warum wollt Ihr mit der Gentechnik anfangen, wo wir damit aufhören?«, fragt Schmeiser. »Wir haben 14 Jahre Erfahrungen mit der Gentechnik.« Mit einem Schlag seien 1996 in Kanada sechs Kulturen zugelassen worden. Die Folge sei, dass der Markt für Raps und Soja zusammenbrach, weil sämtliches Saatgut gentechnisch verseucht sei. »Mit der Gentechnik wird das Ende des Bio-Landbaues eingeläutet«, sagt der Landwirt. Bio-Raps und Bio-Soja aus Kanada gebe es gar nicht mehr. Gentechnik sei in rapsverwandtem Gemüse wie Kohl und Rettich zu finden, und in Honig. »Ihr habt später nicht die Ausrede, nicht gewusst zu haben, was passiert«, mahnt Schmeiser. »Aber noch habt Ihr die Wahl.«

Angesichts der Amflora-Kartoffel berichtet er, wie es in Kanada der einzigen zugelassenen Gen-Kartoffel erging. Die ebenfalls für industrielle Zwecke vorgesehene Knolle habe sich mit Speisekartoffeln vermischt, weil auf einem Acker immer kleine Knollen zurückblieben. Beim Aufschneiden seien die Gen-Kartoffeln schwarz geworden. Große Fast-Food-Ketten hätten seither keine Kartoffeln mehr in Kanada gekauft. Da war es mit dem Anbau vorbei. »Es gibt keine Koexistenz zwischen genveränderten Organismen und anderen«, mahnt Schmeiser. Wind, Insekten und andere Tiere, die Pollen verbreiten, ließen sich nicht aufhalten. Dennoch ist er optimistisch: »Können wir die Gentechnik in Deutschland stoppen?«, fragt er und gibt selbst die Antwort: »Yes, we can.«

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