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Die »Kollateralschäden« der Lohnarbeit

Alljährlich am 28. April ist Workers' Memorial Day

Mit dem Workers' Memorial Day, der seit 1984 jährlich am 28. April begangen wird, erinnert die internationale Gewerkschaftsbewegung an verunglückte und erkrankte Beschäftigte.

Durch Arbeit sterben mehr Menschen als durch Kriege. Dies behauptet keine geringere Institution als die Internationale Arbeitsorganisation der UNO. Ihr zufolge sterben jährlich knapp 360 000 Menschen durch Arbeitsunfälle und über zwei Millionen an berufsbedingten Krankheiten. Täglich werden fast eine Million Arbeiter am Arbeitsplatz verletzt.

Auf diese blutige Tatsache macht alljährlich am 28. April die internationale Gewerkschaftsbewegung mit dem Workers' Memorial Day (WMD) aufmerksam. Von kanadischen Gewerkschaftern 1984 ins Leben gerufen, erhob ihn die UNO schließlich 2001 zum Welttag für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz. Zuvor hatte sich der WMD auf alle Kontinente ausgebreitet. Aus dem Gedenktag wurde dabei allmählich auch ein Aktionstag. Im vergangenen Jahr gab es Berichte von größeren Veranstaltungen und Aktionen aus über 100 Ländern. Dem Internationalen Gewerkschaftsbund (IGB) zufolge nahmen daran über 14 Millionen Menschen teil.

Bei den hiesigen Gewerkschaften hat der WMD jedoch keinerlei Tradition. Obwohl der IGB, der den Tag bereits 1996 in seinen Kalender aufgenommen hat, auch dieses Jahr zur Beteiligung aufruft, weiß man bei der DGB-Pressestelle nichts mit dem Termin anzufangen. Und mit der Jugendarbeitsschutzkonferenz des DGB-Sachsen lässt sich lediglich eine Veranstaltung in den Reihen des DGB ausmachen, die Bezug auf den Gedenktag nimmt. Dabei ist auch der deutsche Betriebsalltag kein unbeschwerter: Der Bundesagentur für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) zufolge ereigneten sich in der BRD im Jahr 2008 exakt 765 tödliche Arbeits- und 478 tödliche Wegeunfälle. Die 2430 Lohnabhängigen, die einer Berufskrankheit erlagen, hinzugerechnet, starben erwerbsbedingt im Schnitt zehn Menschen pro Tag. Zudem passierten 1,25 Millionen Arbeits- und Wegeunfälle. Nicht zu unterschätzen sind auch die psychischen Erkrankungen wie Burnout oder Depression, die sich einer Studie der Psychotherapeutenkammer seit 1990 bis heute fast verdoppelt haben. Als Gründe dafür werden unter anderem Arbeitszeitverdichtung und die Bedingungen der flexibilisierten Arbeitswelt genannt.

Arbeit macht krank, das kann auch Jörg Feldmann, Pressereferent der BAuA, bestätigen: »Je mehr Arbeit desto größer das Risiko für die Gesundheit. Menschen sind keine Automaten, die man anschließen und einfach durcharbeiten lassen kann.« Auch bestehe ein Zusammenhang zwischen langen Arbeitszeiten und höheren Unfallrisiken, erklärt Feldmann und verweist auf entsprechende Studien der Gesellschaft für Arbeits-, Wirtschafts- und Organisationspsychologische Forschung.

»Auch Michael Bormann von der IG BAU Berlin-Brandenburg ist der WMD nicht bekannt. Sicherlich sei die Problematik »gravierend«, aber »die Werkzeuge sind da«, erklärt Bormann, der die bestehenden Gesetze für ausreichend hält. Man setze vor allem auf Sensibilisierungs- und Präventionsmaßnahmen, so Bormann, der die Arbeit der Berufsgenossenschaften, wie etwa der BG BAU, besonders hervorhebt. Letztere startete z.B. vor wenigen Tagen ihre Aktion »Sehen und gesehen werden«, mit der sie Unfälle bei der Arbeit mit Baumaschinen vermeiden möchte. Die Gewerkschaften und Berufsgenossenschaften wirken zudem auf institutioneller Ebene in Sachen Arbeitsschutz mit, wie etwa im Rahmen der Gemeinsamen Deutschen Arbeitsschutzstrategie (GDA), die von Bund, Ländern und Unfallversicherungen getragen wird.

Indessen findet das Thema doch noch und zum ersten Mal den Weg auf die deutschen Straßen. So ruft die Freie ArbeiterInnen-Union (FAU) in diesem Jahr zur Beteiligung am WMD auf, unter anderem in Berlin, wo sie Aktionen vor den drei großen Zeitarbeitsverbänden durchführen will. Sie möchte damit auf die besondere Situation der Leiharbeiter aufmerksam machen. Nach Angaben der GDA ist deren Risiko, von einem Arbeitsunfall betroffen zu sein, fast dreimal so hoch wie das von Stammbelegschaften. Auch ist in der Leiharbeit das Aufkommen psychischer Probleme um 34 Prozent höher, wie eine Studie der Techniker Krankenkasse von 2009 belegt. Wenn die Arbeitsunfälle in den letzten Jahren auch abgenommen haben, mit der Ausweitung der Leiharbeit, wie sie seitens des DGB befürchtet wird, dürften die Kollateralschäden der Arbeit wieder zunehmen.

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