Bloß nicht weiter so

Georg Lukács zum 125. Geburtstag

  • Von Stefan Bollinger
  • Lesedauer: ca. 4.0 Min.

Wenige Monate vor seinem Tode wurde Georg Lukács, inzwischen als Parteimitglied rehabilitiert, ins ZK gebeten, um seine Positionen zur Politik der Ungarischen Sozialistischen Arpeiterpartei (USAP) darzulegen. Er diktierte im Januar 1971 ein Tonbandprotokoll, worin sich Erfahrungen und Einsichten eines unverbesserlichen Kommunisten offenbarten. Das Gespräch entstand nach der Niederschlagung des Prager Frühlings, für den er als sozialistischen Reformversuch Sympathie hegt und dessen Niederschlagung er ablehnte. Und es entstand unmittelbar unter dem Eindruck der blutigen Krise in Polen.

Zwar kokettierte er damit, nicht »in Tagesfragen ... hineinreden« zu wollen, weil er sich »nicht für einen Politiker« halte. Aber das widersprach seiner Biografie, die ihn zweimal in aussichtslosen Situationen in die Regierung eines revolutionären Umbruchs führte, 1919 wahrend der Räterepublik, 1956 in die antistalinistische Regierung des Imre Nagy. Nicht ...

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