Migrantin mit Meinung

  • Von Regina Stötzel
  • Lesedauer: 2 Min.

Da will die CDU sich einmal weltoffen geben und dann das: Die designierte Sozialministerin von Niedersachsen, Aygül Özkan, mischt mit ihrer Aussage, weder Kruzifixe noch Kopftücher hätten etwas in deutschen Klassenzimmern zu suchen, die Union ordentlich auf.

Spaßig ist die Sache bei genauerer Betrachtung nicht. Denn die Parteikollegen belehren die in Deutschland geborene Özkan, als stünde ihre Abschlussprüfung beim Integrationskurs bevor. Da ist viel von »unseren« christlichen Werten und »unseren« Traditionen zu lesen, als müsste Özkan das alles von Null auf lernen. Thomas Goppel (CSU) verweist die Juristin darauf, dass das Grundgesetz nach der NS-Zeit mit ausdrücklicher Rückbesinnung auf das christliche Menschenbild verabschiedet worden sei, und man ahnt, dass der ehemalige bayerische Wissenschaftsminister ihr wohl gern eine Nachhilfestunde in Geschichte und Verfassungstreue geben würde. Der Arbeitskreis engagierter Katholiken in der CDU hält bereits das »Experiment«, eine Muslimin zur Ministerin zu machen, für gescheitert, weil Özkan in ihren Augen offenbar vor allem das ist, nicht etwa eine Politikerin mit einer für die CDU untypischen Ansicht. Und die Bundesintegrationsbeauftragte Maria Böhmer (CDU) macht alles noch schlimmer, wenn sie meint, Özkan mit den Worten zu unterstützen: »Natürlich sollen Migranten alle Möglichkeiten in unserem Land haben.«

Auf der Trennung von Staat und Kirche zu beharren – was ein erheblicher Teil der Bevölkerung unterstützen würde –, ist in der Union schon nicht angesagt. Aber eine Muslimin mit Migrationshintergrund muss sich für diese Meinung entschuldigen.

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