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Vivantes will mehr Unabhängigkeit vom Land

Klinik-Chef Bovelet schließt auch Fusion mit der Charité nicht aus, um Geld zu sparen

Vivantes Auguste-Viktoria-Klinikum in Schöneberg
Vivantes Auguste-Viktoria-Klinikum in Schöneberg

Die Wirtschaftskrise hat sich nicht auf die finanzielle Entwicklung des kommunalen Klinikkonzerns Vivantes ausgewirkt. Zum sechsten Mal in Folge hat das Unternehmen, mit insgesamt neun Krankenhäusern einer der größten Arbeitgeber in Berlin, gestern eine positive Jahresbilanz vorgelegt. Das Jahresergebnis 2009 (2,6 Millionen Euro) konnte im Gegensatz zu 2008 (2,4 Millionen Euro) noch gesteigert werden.

»Dabei sind die Voraussetzungen vergangenes Jahr nicht gerade ideal gewesen«, resümierte Joachim Bovelet, Vorsitzender der Geschäftsführung. Denn das Unternehmen hätte unter anderem höhere Personalkosten wegen der neuen Tarifabschlüsse mit der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di sowie höhere Preise im Sachkostenbereich ausgleichen müssen.

Die Bilanz sei vor allem wegen steigender Patientenzahlen und Behandlungen trotzdem sehr erfreulich ausgefallen, erklärte Finanzgeschäftsführer Peter Schnitzler. Deswegen musste andererseits aber auch mehr in Personal und Material investiert werden. Insgesamt waren 2009 über 13 000 Mitarbeiter beim Vivantes-Konzern beschäftigt.

Wegen der guten finanziellen Lage konnte das Unternehmen vergangenes Jahr verstärkt in den Bau und die Ausstattung seiner Kliniken und Einrichtungen investieren. Beispielsweise wurden 7,6 Millionen Euro für den Neubau eines Bettentraktes am Humboldt-Klinikum ausgegeben. Zudem wurde dort eine neue Überwachungseinheit für Epilepsie-Patienten eröffnet. Indes erhielt das Auguste-Viktoria-Klinikum in Schöneberg ein neues Gebäude mit klinikeigener Turnhalle. Die Investitionen betrugen insgesamt rund 93 Millionen Euro, davon musste der Klinikkonzern etwa 53 Millionen Euro selbst aufbringen.

Trotz der positiven Entwicklung brauche sein Unternehmen langfristig mehr Planungssicherheit, erklärte Bovelet. »Das Land wird wohl bald nicht mehr so viel Geld aufbringen können, wie Vivantes und Charité benötigen«, befürchtete er. Denn Berlin ist hochverschuldet. Und für die Ausfinanzierung der landeseigenen Universitätsklinik Charité und von Vivantes fehlt es bisher an einem Konzept. Der Senat müsse bezüglich der Zukunft der Berliner Krankenhäuser möglichst schnell eine Entscheidung treffen, forderte Bovelet. Darin sei er sich auch mit Charité-Chef Karl Max Einhäupl einig.

Die Finanzierung könne auch weiterhin gewährleistet werden, ohne dem Trend der Privatisierung kommunaler Klinikunternehmen zu folgen, sagte Bovelet. Eine Möglichkeit sei, Vivantes von einer GmbH in eine kommunale Aktiengesellschaft umzuwandeln. Dann könne der Klinikkonzern eigenständiger investieren und wäre nicht auf die Beliebigkeit haushaltspolitischer Spielereien angewiesen, so der Vivantes-Geschäftsführer. Man wolle in diesem Fall aber nicht an die Börse gehen. Gut funktionierende Vorbilder gebe es bereits bei Kliniken in Fulda und Kassel.

Auch eine Fusion von Charité und Vivantes schloss Bovelet nicht aus. Schon durch eine Zusammenlegung der Verwaltungen könnten 45 Millionen Euro im Jahr eingespart werden.

Ursprünglich wollten Gesundheitssenatorin Katrin Lompscher (LINKE), Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos) und Wissenschaftssenator Jürgen Zöllner (SPD) im Mai einen neuen Weg für die kommunalen Kliniken vorschlagen. Bovelet bezweifelte aber, dass vor den nächsten Wahlen zum Abgeordnetenhaus im Herbst 2011 eine Entscheidung getroffen werde.


Vivantes Jahresbilanz 2009

  • Umsatz: 785 Millionen Euro (2008: 742 Millionen Euro)
  • Behandelte Patienten: 486 641 (2008: 472 416)
  • Kosten für Materialaufwand: 173 Millionen Euro (2008: 165 Millionen Euro)
  • Kosten für Personalaufwand: 558 Millionen Euro (2008: 525 Millionen Euro)
  • Investitionen in Bau und Ausstattung der Kliniken und Einrichtungen: 93 Millionen Euro (2008: 50 Millionen Euro)

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