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Proteste nicht von Pappe

Bundesweite Warnstreiks in der Papier- und Verpackungsindustrie

  • Von Hans-Gerd Öfinger
  • Lesedauer: 2 Min.

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Für eine Lohnerhöhung von 4,5 Prozent traten am Montag und Dienstag bundesweit hunderte Beschäftigte der papier-, pappe- und kunststoffverarbeitenden Industrie in den Warnstreik. Zum Arbeitskampf aufgerufen hatte die Gewerkschaft ver.di.

Mit den Aktionen sollte der Druck auf die Tarifverhandlungen zwischen ver.di und dem Hauptverband Papier- und Kunststoffverarbeitung verstärkt werden, die am Dienstag in Düsseldorf begannen. Das Angebot der Arbeitgeber sieht für 2010 eine Einmalzahlung von 220 Euro sowie für 2011 eine Einkommensanhebung von 1,6 Prozent vor. Dabei soll es nach Vorstellung des Verbands allerdings möglich sein, über Öffnungsklauseln die Einmalzahlung betrieblich zu kürzen, zu verschieben oder zu streichen und die Lohnerhöhung betrieblich um bis zu sechs Monate zu verschieben.

Dies lehnen die Gewerkschafter als »völlig unzureichend« ab. Sie verweisen darauf, dass die Papierverarbeitung »glimpflich durch die Krise« gekommen sei und mit einer Produktionssteigerung zum Jahresbeginn von über fünf Prozent in einer besseren Position sei als andere Industriebereiche. Zudem sei die Arbeitsproduktivität im Januar um 8,4 Prozent und im Februar 2010 um 6,4 Prozent gestiegen, sagte ver.di-Verhandlungs- führer Frank Werneke, Bundesleiter im Fachbereich Medien.

Zu den bereits am Montag bestreikten Betrieben gehören die Marburger Tapetenfabrik im mittelhessischen Kirchhain, Kobusch Sengewald (Halle/Ostwestfalen), A+R Carton (Kriftel) und Smurfit Kappa Wellpappe (Brühl). Eine Hochburg der Streiks am Dienstag war die Wiesbadener Constantia Ebert GmbH, die zum österreichischen Verpackungskonzern Constantia gehört und als Lieferant von Folien für die Verpackung von Süßwaren eine starke Marktposition hat. Während hier die Produktion einen Tag lang ruhte, besuchten die mittlerweile zu knapp 90 Prozent gewerkschaftlich organisierten Arbeiter am Vormittag streikende Kollegen im Rhein-Main-Gebiet. Mehrere Streikende traten direkt der Gewerkschaft bei.

Ver.di-Sekretär Jörg Jungmann bezeichnete den Arbeitskampf als Hebel gegen die seit Jahren sinkende Kaufkraft der Bevölkerung. Massives Lohndumping habe die Vermögensumverteilung von unten nach oben begünstigt und Kapitalbesitzer zu immer waghalsigeren Spekulationsgeschäften ermuntert, so der Gewerkschafter. Er rief die Belegschaft zur Solidarität mit den Protesten in Griechenland auf.

Der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Mahmut Öner kritisierte den Gesetzgeber für Pläne zur Besteuerung der Lohnzuschläge für Sonn-, Feiertags- oder Nachtarbeit. Die Arbeiter wüssten, dass Sonntagsarbeit familienfeindlich sei und regelmäßige Nachtarbeit die Lebenserwartung senke. Daher würden sie die Steuerfreiheit vehement verteidigen.

Constantia Ebert hat rund 130 Beschäftigte und gehört zu der Minderheit von Betrieben, die 2009 Neueinstellungen vornahmen. Dabei habe der Betriebsrat dafür gesorgt, dass Leiharbeiter ebenso wie neue Arbeitskräfte in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis zu Tarifbedingungen übernommen wurden, so Öner. »Als Leiharbeiter habe ich 7,51 Euro in der Stunde verdient und jetzt knapp 13 Euro«, beschrieb ein Betroffener auf Anfrage den Unterschied.

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