Von Hermannus Pfeiffer

Griechenland-Hilfe hilft auch Banken

Es gäbe gute Gründe für eine Beteiligung der Finanzwirtschaft am Rettungspaket

Das milliardenschwere Rettungspaket für Griechenland kennt nicht nur einen Nutznießer. So nutzen die geplanten Kreditlinien auch deutschen Banken und Versicherungen. Forderungen aus SPD, Grünen und Linkspartei, dass sich die Geldbranche mit einer Finanztransaktionssteuer beteiligt, erscheinen also wirtschaftlich begründet.

Laut dem Gesetz, das am Freitag in Bundestag und Bundesrat verabschiedet werden soll, wird der Bund für Kredite der Staatsbank KfW in Höhe von etwa 22,4 Milliarden Euro bis Ende 2012 bürgen, mit denen sich Deutschland am Hilfsprogramm für Griechenland beteilgt. Die zweithöchste Summe unter den Euroländern stellt Frankreich mit bis zu 16,8 Milliarden Euro zur Verfügung, gefolgt von Italien und Spanien.

Dabei spiegelt der Anteil am Rettungspaket in etwa auch den jeweiligen Anteil privater Investoren an griechischen Anleihen wider, aber eben nur in etwa. Französische Banken, Versicherungen und Pensionsfonds besitzen nämlich solche Anleihen über 50 Milliarden Euro, fast doppelt so viele wie deutsche Institute (28 Milliarden). Kredite an die hellenische Republik waren wegen der anhaltenden Unsicherheit seit Längerem ein lukratives Geschäft, da Athen dafür überdurchschnittlich hohe Zinssätze zahlen musste. Oft wurden damit deutsche Exporte finanziert. Die drittgrößten Gläubiger Griechenlands sind Investoren aus der Schweiz.

Anleihen Athens sind jedoch nicht die einzige sprudelnde Finanzquelle, aus der auch deutsche Finanzinstitute schöpften. Sie sind auch engagiert in umstrittenen Versicherungen gegen Kreditausfall (Credit Default Swaps, kurz CDS), deren Wert durch die jüngsten Spekulationen massiv in die Höhe getrieben wurde.

Noch motivierender für die Hilfsbereitschaft der Bundesregierung ist die Angst vor der Ansteckungsgefahr: Portugal, Irland, Spanien und Italien gelten an den Finanzmärkten ebenso als Wackelkandidaten und hier sind vor allem Pfandbriefbanken wie die Hypo Real Estate (HRE) stark vertreten. Auch dies kann erklären, warum die Bundesregierung nach langem Zögern wegen der NRW-Wahl doch bereit ist, den größten Teil des fast nur in Deutschland heftig umstrittenen EU-Rettungspaketes zu schnüren.

Ein weiterer Grund schlummert in den Bilanzen. Die zwei größten Sorgenkinder unter den deutschen Banken spielen ebenfalls eine Hauptrolle im griechischen Drama. Die meisten Darlehen hat mit 7,9 Milliarden Euro ebenfalls ausgerechnet die HRE angehäuft. Das seit Kurzem als Deutsche Pfandbriefbank firmierende Institut konnte nur durch Kapitalspritzen und Bürgschaften des Staates 2009 die Finanzkrise überleben. Einen weiteren Milliardenverlust könnte sie nur schwerlich verdauen. Dies gilt ebenso für die Commerzbank/Dresdner Bank, die um 3,2 Milliarden Euro bei einer Griechen-Pleite fürchten müsste. Auch die überlebte die große Finanzkrise nur durch eine (Teil-)Verstaat- lichung. Die Postbank, an der die Deutsche Bank beteiligt ist, sorgt sich um 1,3 Milliarden. Öffentlich-rechtlichen Sparkassen und Landesbanken sowie den Genossenschaftsbanken scheinen hier keine großen Gefahren zu drohen. Betroffen wären dagegen die Versicherungen Allianz (0,9 Milliarden Euro) und Münchner Rück (2,1).

In wenigen Tagen wird die Förderbank KfW im Auftrag der Bundesregierung die ersten Milliarden nach Griechenland überweisen. Auch für die Kreditanstalt, an der neben dem Bund auch die Bundesländer beteiligt sind, ist das Rettungspaket ein gutes, weil risikoloses Geschäft. Das Risiko trägt der Staat und er zahlt üppige Provisionen. So verdienen Banken wie schon in der großen Finanzkrise erneut an der Kur einer Krise, die sie maßgeblich mitverschuldet haben.

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