Werbung

»Portugal ist nicht Griechenland«

Hellas steckt noch mitten in der Krise, die Portugal durch Spekulationen bald drohen könnte

Bei uns droht die ABOkalypse!

Wir brauchen zahlende Digitalleser/innen.

Unterstütze uns und überlasse die Informationsflanke nicht den Rechten!

Mach mit! Dein freiwilliger, regelmäßiger Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Kaum scheint für das eine »Problemland« Hilfe anzurollen, droht ein weiterer europäischer Staat abzustürzen: Die Finanzspekulanten haben sich Portugal als neues Ziel auserkoren.

Nach Griechenland haben sich die Spekulanten ein neues Opfer gesucht: Derzeit wird auf Portugal eingeprügelt. Am Donnerstag sah sich der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) gezwungen, das Land in Schutz zu nehmen. »Portugal und Griechenland sitzen nicht im selben Boot, und das ist auch klar erkennbar, wenn man auf die Zahlen und Fakten schaut«, sagte Jean-Claude Trichet in Portugals Hauptstadt Lissabon.

Trotzdem sind die Zinsen für zehnjährige Staatsanleihen des Landes erstmals auf über sechs Prozent gestiegen. Seit einiger Zeit steigen sie massiv an, wie es zuvor bei Griechenland zu sehen war. Sie erreichten am Donnerstag mit 6,09 Prozent einen neuen Rekord. Am Vortag rentierten die Anleihen schon mit 5,8 Prozent. Portugal muss also für seine Schulden schon doppelt so hohe Zinsen bieten wie Deutschland. Damit steigen die Kosten, die Haushaltslage wird weiter belastet und Sparanstrengungen zunichte gemacht.

Bei den Zinsen ist Portugal nun auf dem Niveau, auf das Griechenland im Januar gehoben wurde, als verstärkt über eine Pleite des Landes spekuliert wurde. Im gleichen Monat rückte auch Portugal ins Blickfeld, als die Ratingagentur Moody's die beiden Länder in einem Atemzug nannte und von ihrem möglichen »langsamen Tod« sprach.

Mit den Fundamentaldaten des Landes hatte das wenig zu tun. Die Verschuldung Portugals liegt mit 76,8 Prozent im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) nur leicht über der in Deutschland und weit unter der Italiens (115,8 Prozent) oder Griechenlands (115,1 Prozent). Beim Haushaltsdefizit distanzierte sich Portugal 2009 mit 9,4 Prozent ebenfalls deutlich von der europäischen Spitzengruppe: Irland lag mit 14,3 Prozent vor Griechenland (13,6 Prozent), Großbritannien (11,5 Prozent) und Spanien (11,2 Prozent) waren noch deutlich vor Portugal. Die Arbeitslosenquote ist nur etwa halb so hoch wie die 20 Prozent, die der spanische Nachbar ausweist.

Trotz dieser Daten und der Sparpläne Lissabons, die als glaubwürdig und konkret gelten, wird die Kreditwürdigkeit des Landes ständig herabgestuft, womit die Zinsen steigen. So ist die Bonität Portugals bei der Ratingagentur Fitch schon auf »AA« gesenkt worden – das sind drei Stufen unter der Bestnote »AAA«, die Fitch noch immer Spanien und Großbritannien verleiht.

Noch deutlicher wird die Spekulation an den sogenannten »Credit Default Swaps« (CDS). Es handelt sich um eine Art Kreditausfallversicherung und die Preise für dieses Spekulationsvehikel explodieren. Portugiesische CDS-Papiere notieren schon bei 420 Basispunkten. Das bedeutet, dass es 420 000 Euro jährlich kostet, um portugiesische Anleihen im Volumen von zehn Millionen Euro zu versichern. Damit ist Portugal schon auf dem Wert angekommen, der für griechische Papiere Anfang April gezahlt werden musste, als das Land kurz davor stand, den Notfallplan auszulösen.

Und nun brachte Moody's erneut Portugal ins Gespräch. Die Ratingagentur sieht eine Ansteckungsgefahr durch die Griechenlandkrise in Portugal. Die durch die Abstufungen provozierten Finanzierungskosten werden als Begründung für die Gefahr angesehen, dass sich die Entwicklung auf Portugals Bankensektor ausweitet, so Moody's. Die Katze beißt sich in den Schwanz und man fragt sich, ob hier gezielt eine Krise herbeigeredet wird. Die Forderungen nach einer europäischen Ratingagentur dürften damit noch lauter werden.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

9 Ausgaben für nur 9 €

Jetzt nd.DieWoche testen!

9 Samstage die Wochenendzeitung bequem frei Haus.

Hier bestellen