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Eklat auf Münchner Kirchentag

Opfer-Initiative protestiert bei Missbrauchs-Debatte / Buhrufe für Bischof

Die Missbrauchsdebatte hat auf dem Ökumenischen Kirchentag zu einem Eklat und massiver Kritik an der katholischen Amtskirche geführt.

München (dpa/epd/ND). Der Vertreter einer Opfer-Initiative hat auf dem Messegelände den Auftakt der zentralen Veranstaltung über sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche am Freitag lautstark gestört. Zuvor waren Flugblätter mit Porträtfotos von Missbrauchsopfern von Priestern auf dem Hallenboden vor dem Podium ausgelegt und von Kirchentagshelfern umgehend aufgehoben worden. Rund 6000 Menschen begleiteten in der überfüllten Halle die emotional aufgeheizte Debatte immer wieder mit starkem Applaus, aber auch Unmutsäußerungen.

Auf dem Podium forderten der Jesuitenpater Klaus Mertes, Leiter des Berliner Canisius Kollegs, und der katholische Theologe und Psychologe Wunibald Müller unter großem Applaus die Einführung des Frauenpriestertums und die Abschaffung des Zwangszölibats. Außerdem übte Müller ungewöhnlich scharfe Kritik an der Amtskirche: »Wir haben in den vergangenen 20 Jahren in der Kirche einen Personenkult entwickelt, der missbrauchsfördernd ist.« In der Kirche fehle zudem eine offene Gesprächskultur. Es drohten schnell disziplinarische Konsequenzen oder es werde die Loyalität zur Kirche infrage gestellt.

Der Trierer Bischof Stephan Ackermann zeigte sich erschrocken angesichts der aktuellen Missbrauchsdebatte. »Die Opfer geraten immer mehr aus dem Blick«, sagte der Missbrauchsbeauftragte der katholischen Deutschen Bischofskonferenz. Im Mittelpunkt stünde derzeit vor allem die Kirchenpolitik, Das Publikum quittierte Ackermanns Aussage mit Buhrufen und Beifall. »Ich bin über den Verlauf der Veranstaltung ziemlich erschrocken, weniger über die Störung als über die Statements zum Thema«, betonte Ackermann.

Der Missbrauchsbeauftragte versicherte, dass die Kirche schnell und konsequent handeln werde. Für Präventionsarbeit werde das notwendige Geld bereitgestellt, sagte Ackermann. Mit dem Runden Tisch der Bundesregierung gegen Kindesmissbrauch strebe man sinnvolle Lösungen an, Zahlungen an die Opfer für erlittenes Unrecht zu leisten. Hier gebe es aber noch keine Entscheidungen. Die Leitlinien der Bischofskonferenz über Missbrauch durch Priester sollen bis zum Sommer überarbeitet werden. Missbrauch sei nicht nur juristisch und menschlich ein Verbrechen und Vertrauensbruch. Ihn habe am meisten erschüttert, dass Menschen in ihrem Gottvertrauen völlig aus der Bahn geworfen worden seien, sagte Ackermann.

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