Theater am Kudamm

Lebensretter wider Willen

Was soll das hier?

Sei auch du solidarisch und unterstütze linken Journalismus mit einem freiwilligem Abo, einer Spende - oder noch besser entscheide dich für ein Digitalabo.

  • Wählen Sie ein Abo:

    • Online-Abo
    • Kombi-Abo
    • Print-Abo
    • App-Abo
    Lesen Sie das »nd« wo und wann Sie wollen. Mit dem Online-Abo erhalten Sie Zugang zu allen Artikeln in elektronischer Form auf unserer Webseite und dazu das nd-ePaper. Zum Online-Abo
    Mobil, kritisch und mit Links informiert:
    neues deutschland als ePaper – und am Wochenende im Briefkasten!
    Prämie: Das nd-Frühstücksbrettchen. Der Wegbegleiter für den Start in den Tag.
    Zum Kombi-Abo

    Lesen Sie das »nd« wo und wann Sie wollen. Mit der nd-App erhalten Sie Zugang zur Zeitung in elektronischer Form als App optimiert für Smartphone und Tablet.

    Die nd-App gibt es für iOs und Android.

    Zum App-Abo
  • Per Überweisung:

    Stichwort: nd-paywall

    Berliner Bank
    IBAN: DE11 1007 0848 0525 9502 04
    SWIFT-CODE (BIC): DEUTDEDB110

    Per Paypal

    PayPal

    Per Sofortüberweisung

    Sofortüberweisung

    Ich habe bezahlt.

  • Ich beteilige mich mit einer regelmäßigen Zahlung

    Wir freuen uns sehr, dass Sie zu dem Entschluss gekommen sind: Qualitätsjournalismus zur Stärkung einer Gegenöffentlichkeit von links ist mir etwas wert!

    Mit ihrem solidarischen Beitrag unterstützen Sie linken unabhängigen Qualitätsjournalismus. Und: Sie unterstützen die Menschen, die sich selbst ein Abo nicht leisten können. Wir sind der Ansicht, dass Journalismus für möglichst alle zugänglich sein soll – deshalb bieten wir einen großen Teil unserer Artikel gratis zum Lesen und teilen im Netz an. Aber nur Dank der Abonnements und Zahlungen vieler Leserinnen und Leser können wir jeden Tag eine Zeitung produzieren: Gedruckt, als Onlineausgabe und als App.

    Turnus

    Minimum 5 Euro/Monat

    Meine Bankdaten

    Persönliche Angaben

    *Pflichtfelder
     
     
  • Ich bin schon Abonnent
    Login

    Passwort vergessen?

  • Jetzt nicht ...

Winfried Glatzeder ist ein Mann der Widersprüche. Im Osten verkörperte er Rollen des attraktiven und ausdrucksstarken Mannes, der dennoch scheitert. Im Westen wurde der »Belmondo des Ostens« vor allem als Bösewicht besetzt. Seine Schauspielkarriere leitete er pikanterweise mit einer Diplomarbeit über »Clownsfiguren bei Shakespeare« an der Filmhochschule in Babelsberg ein. Auf all diesen Registern spielt der gerade 65 Jahre alt gewordene Mime in der Komödie »Die Nervensäge« im Theater am Kurfürstendamm.

Der baumlange Kerl mit dem kantigen Gesicht ist ein Verbrecher, wie er im Buche steht. Er quartiert sich in einem Hotelzimmer ein, um von dort einen Mafiaboss umzubringen, von dem seine Auftraggeber befürchten, er werde bei der Polizei auspacken. Wortkarg und routiniert erfüllt Glatzeder diesen Schauspielauftrag.

In dem Stück des Franzosen Francis Veber ist Glatzeder aber auch einer, der fürchterlich scheitert. In seinem Hotelzimmer hat sich ein anderer Gast einquartiert. Francois (Marcus Ganser) möchte dort zuerst seine verschlissene Ehe retten und sich nach eintretendem Misserfolg das Leben nehmen. Weil ihm das aber auch nicht gelingt, droht die fein vorbereitete Mordtat ins Wasser zu fallen.

Weil der diplomierte Clownexperte Glatzeder die Verzweiflung seiner Figur über ihr Scheitern aber in die tragikomische Richtung zu lenken weiß, steht dem Gelingen dieser Komödie nichts im Wege. Vor allem nach der Pause, als Glatzeder sich nicht nur freigespielt hat, sondern sich atemlos in die Zwerchfell erschütternden Wendungen des Stücks stürzt, wandelt sich diese Inszenierung von einer Boulevardklamotte in ein zeitloses Stück über unverhoffte Freundschaften und den Versuch, Meister des eigenen Lebens zu sein.

Glatzeder lenkt das Scheitern ins Tragikomische

Wicki Kalaitzi greift als vom Hemdenvertreter zum Psychiater wegdriftende Ehefrau erst spät in das Geschehen ein. Das ist für die Figur etwas nachteilig. Kalaitzi spielt aber hingebungsvoll den hellen Moment aus, in dem die mit neuem Elan beseelte Frau den amourösen Seitensprung als die ihr gemäße Form des Daseins erkennt. Die Entdeckung des Abends ist neben dem sich ganz und gar verschenkenden Glatzeder aber Gerd Lukas Storzer. Er legt einen pfiffigen, an seinen Gästen mitunter verzweifelnden, aber im letzten Moment immer noch den Mantel der Professionalität übers verstörte Gesicht ziehenden Hotelpagen auf die Bretter der Bühne am Kurfürstendamm. Storzer, der einst mit der legendären Offtheater-Truppe vom Theater Affekt unterwegs war und jetzt zum freien Ensemble »Nico & the Navigators« gehört, gelingt der eher seltene Spagat zwischen Offtheater und etablierten Bühnen auf dem Feld der Komödie.

Die knackige und gut auf die Umkehrpunkte des Stücks konzentrierte Regie führte Jürgen Wölffer. Dessen Bruder Christian besorgte die deutsche Übersetzung des Stücks, das an dem gleichen Haus bereits 1971 als deutsche Erstaufführung zu sehen war. Sohn Martin kämpft als gegenwärtiger Intendant um die Erhaltung der beiden Bühnen, die durch Investorenprojekte bedroht sind.

»Die Nervensäge« bietet nicht nur solide und Vergnügen bescherende Schauspielkunst. Die Inszenierung macht auch darauf aufmerksam, dass der Kurfürstendamm vollends aus oberflächlicher Leere bestünde, wenn mit den Theatern diese Manufaktur der Hand- und Seelenarbeit verschwinden würde.

Bis 4.7., Di.-Sa., 20 Uhr, So 18 Uhr

Werbung

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

Schenken Sie schon, oder rätseln Sie noch?

Jetzt aber schnell!

Schenken was wirklich Freude macht. Für diejenigen, die schon alles haben, oder auf kapitalistischen Überfluss verzichten wollen.

Jetzt bestellen oder verschenken