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Erdogans Rivale

Kemal Kilicdaroglu ist neuer CHP-Chef und damit Oppositionsführer in der Türkei

  • Von Jan Keetman, Istanbul
  • Lesedauer: 2 Min.

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Jahrelang hatte es der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan nur zu leicht mit seinen politischen Gegnern. Keiner war ihm als Redner gewachsen, und keiner verstand es wie er, die Themen der türkischen Politik zu bestimmen. Doch die Tage der Ein-Mann-Schau könnten vorüber sein, ein alevitischer Kurde macht Erdogan die Rolle als Volkstribun streitig.

In einem Rausch der Begeisterung, wie man ihn der einst von Atatürk gegründeten Republikanischen Volkspartei (CHP) nicht mehr zugetraut hätte, wählte die stärkste Oppositionspartei einen neuen Vorsitzenden: Kemal Kilicdaroglu. Noch vor einigen Tagen war die CHP darauf eingestimmt, ihren wegen einer persönlichen Affäre zurückgetretenen Vorsitzenden Deniz Baykal zurückzurufen. Als Kilicdaroglu vor neun Tagen seine Kandidatur bekannt gab, stellte sich der Parteivorstand fast geschlossen gegen ihn. Am Sonnabend wurde er dennoch gewählt – und zwar mit 1189 gegen 0 Stimmen.

Es war der in der Geschichte der Türkei noch nie da gewesene Siegeszug eines Kandidaten – als habe das halbe Land seit Jahren nur auf jemanden wie Kilicdaroglu gewartet. Auf dem Parteikongress trat Kilicdaroglu leger auf. Ohne Krawatte, mit aufgeknöpftem Kragen, wie ein Arbeiter. Die CHP will er wieder in eine schlagkräftige Massenpartei verwandeln.

Kilicdaroglu stammt aus denkbar einfachen Verhältnissen. Vor 61 Jahren erblickte er in einem Dorf alevitischer Kurden in der Region Tunceli das Licht der Welt. Er spricht nicht im elitären Jargon seiner Partei, sondern in einfachen, klaren Sätzen. Themen wie das Kopftuch oder den Laizismus vermeidet er, stattdessen konzentriert er sich Arbeitslosigkeit, Armut und Korruption. Außerdem will er die Zehn-Prozent-Hürde für den Einzug ins Parlament abschaffen, obwohl davon auch seine CHP profitiert.

Es ist die ruhige und für einen Politiker relativ sachliche Art Kilicdaroglus, die ankommt. Vielleicht auch, weil der ständig schimpfende Erdogan in den letzten Jahren etwas zu aufdringlich war. Doch ob das reicht, um Erdogan die Stirn bieten zu können, ist fraglich. Der Türkei könnte eine etwas lebendigere Opposition nur gut tun.

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